BERLIN – Ein siebenjähriges Mädchen hat mit einer heimlich abgespielten Audioaufnahme eine Scheidungsverhandlung am Amtsgericht Neukölln am Dienstag dramatisch zum Kippen gebracht und ihre Mutter des versuchten Prozessbetrugs überführt. Was als routinierte Anhörung begann, endete mit einer einstweiligen Sorgerechtsübertragung auf den Vater und der sofortigen Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen die Mutter.
Die Richterin war nur noch Sekunden von der Besiegelung der Scheidung entfernt, als die kleine Emma ihre Hand hob. Mit zitternder Stimme fragte sie die Vorsitzende, ob sie etwas zeigen dürfe, von dem ihr Vater nichts wisse. Im Saal ging zunächst ein verlegenes Lachen um, doch die Atmosphäre kippte schlagartig, als das Mädchen ihr rosa Tablet mit einem Sprung im Display nach vorne brachte.
Die Mutter des Kindes, die 32-jährige Jana B. , wurde blass, als ihre Tochter das Gerät an die Richterin übergab. Auf der Aufnahme, die das Kind offenbar heimlich in seinem Zimmer gemacht hatte, war zu hören, wie die Mutter ihre Tochter anwies, falsche Aussagen über den Vater zu machen.
Sag noch mal, was wir geübt haben, war Janas Stimme zu hören. Emmas zögerliche Antwort: Ich will nicht lügen.
Die Richterin ließ die Aufnahme über den großen Bildschirm im Saal abspielen. Die Anwesenden, darunter die Verfahrensbeiständin und der Pflichtverteidiger des Vaters, erstarrten. Die Aufnahme enthüllte nicht nur die versuchte Manipulation des Kindes, sondern auch die Anwesenheit eines unbekannten Mannes, den die Mutter als ihren neuen Partner bezeichnete.
Die Mutter hatte dem Kind eingeschärft, auszusagen, der Vater sei gewalttätig und unberechenbar.
Der Vater, der 34-jährige Tobias B. , ein Bauarbeiter, der seit Monaten um das Sorgerecht kämpfte, saß fassungslos im Saal. Er hatte seit der Trennung nur noch begleiteten Umgang mit seiner Tochter und war von der Mutter des versuchten Kindesentzugs beschuldigt worden.
Die Richterin unterbrach die Verhandlung sofort und wandte sich direkt an die Mutter. Erklären Sie mir in 30 Sekunden, warum ich Sie nicht wegen versuchten Prozessbetrugs und möglicher Kindeswohlgefährdung anzeigen lassen soll, fragte sie mit eisiger Stimme.
Jana B. brach in Tränen aus und versuchte, die Vorwürfe zu relativieren. Sie habe nur das Beste für ihre Tochter gewollt, stammelte sie.
Doch die Richterin ließ sich nicht erweichen. Sie ordnete die sofortige vorläufige Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts auf den Vater an. Der begleitete Umgang für die Mutter wurde an die Bedingung einer erfolgreichen Therapie und eines Elternkurses geknüpft.
Die kleine Emma, die während der gesamten Verhandlung still neben ihrer Verfahrensbeiständin gesessen hatte, stand auf und setzte sich neben ihren Vater. Sie drückte seine Hand und flüsterte: Tut mir leid, Papa, ich hatte Angst. Der Vater, der bis dahin gefasst gewirkt hatte, brach in Tränen aus.
Er legte den Arm um seine Tochter und spürte zum ersten Mal seit Monaten wieder so etwas wie Erleichterung.
Die Richterin ordnete zudem eine vollständige Überprüfung aller bisherigen Aussagen der Mutter an. Die Identität des unbekannten Mannes mit dem Bart, der in der Aufnahme erwähnt wurde, müsse unverzüglich geklärt werden. Die Polizei ermittelt nun wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung und Betrug gegen die Mutter und ihren mutmaßlichen Komplizen.
Der Vater, der in einer kleinen Übergangswohnung nahe dem Körnerpark lebt, hatte monatelang um das Sorgerecht gekämpft. Er war von der Mutter beschuldigt worden, emotional instabil zu sein und Wutausbrüche zu haben. Die Vorwürfe hatten dazu geführt, dass er seine Tochter nur noch unter Aufsicht sehen durfte.
Er hatte sich einen Pflichtverteidiger leisten müssen, der nach eigenen Angaben überfordert war.
Die Mutter hatte das alleinige Sorgerecht beantragt und behauptet, der Vater sei gewalttätig. Sie hatte sogar eine einstweilige Verfügung erwirkt, die ihm den Kontakt zur Tochter fast vollständig untersagte. Der Vater hatte sich verzweifelt an das Jugendamt gewandt, aber seine Hinweise auf einen Bluterguss am Handgelenk seiner Tochter waren nicht ausreichend gewesen.
Die Aufnahme, die Emma heimlich gemacht hatte, enthüllte nicht nur die Manipulation, sondern auch die Anwesenheit eines Mannes, der offenbar mehrere falsche Identitäten benutzte. Die Polizei ermittelt nun, ob die Mutter gemeinsam mit diesem Mann einen Plan verfolgte, um mit dem Kind unterzutauchen und Konten zu plündern.
Der Vater, der seine Tochter heute nach Hause bringen durfte, sagte nach der Verhandlung: Ich habe immer an sie geglaubt. Sie ist mein Ein und Alles. Die kleine Emma schlief auf dem Beifahrersitz seines alten Transporters ein, das rosa Tablet auf den Knien.
Als er sie ins Bett brachte, schlang sie im Halbschlaf die Arme um seinen Hals.
Die Richterin, die in ihrer langen Karriere schon viele Fälle von Sorgerechtsstreitigkeiten erlebt hat, zeigte sich betroffen. Was hier passiert ist, ist ein beispielloser Fall von Kindeswohlgefährdung, sagte sie nach der Verhandlung. Ein Kind wurde systematisch dazu missbraucht, seinen eigenen Vater zu belügen.
Das wird Konsequenzen haben.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die oft undurchsichtigen Mechanismen in Sorgerechtsverfahren. Experten fordern eine Reform der Verfahren, um Kinder besser vor Manipulation zu schützen. Die kleine Emma hat heute nicht nur ihren Vater zurückbekommen, sondern auch gezeigt, dass selbst die Kleinsten eine Stimme haben, die gehört werden muss.


