Stockholm – In einem emotionalen Geständnis hat ABBA-Sänger Björn Ulvaeus nun erstmals detailliert die Schattenseiten seiner Ehe mit Agnetha Fältskog offengelegt. Was einst als musikalisches Märchen galt, entpuppt sich als zermürbender Albtraum aus Druck, Angst und unüberbrückbaren Differenzen. Der 79-Jährige spricht offen über die Zeit, die ihn bis heute prägt.

Die Liebesgeschichte zwischen Björn Ulvaeus und Agnetha Fältskog begann 1968, als der damals 23-Jährige die 19-jährige Sängerin bei Dreharbeiten traf. Er beschrieb die Begegnung später als „einen Engel vom Himmel“. Agnetha gestand, bereits lange vor dem Treffen in Björn und seine Band „Hootenanny Singers“ verknallt gewesen zu sein.
Die musikalische Chemie war sofort spürbar.
Nach sechs Monaten Beziehung heirateten die beiden am 6. Juli 1971 in der kleinen Kirche von Verum. Benny Andersson spielte Orgel.
Das Paar zog in eine Wohnung in Lilla Essingen und bekam zwei Kinder: Linda (1973) und Peter (1977). Die Ehe schien perfekt – doch der wachsende Ruhm von ABBA sollte alles verändern.
Mit dem internationalen Durchbruch von ABBA Anfang der 1970er Jahre begann der Druck. Ständige Tourneen, Promotions und Studioaufnahmen ließen kaum Zeit für die Familie. Agnetha entwickelte eine starke Angst vor Menschenmengen, Lärm und langen Flügen.
Ein traumatisches Erlebnis in einem Privatjet während eines Gewitters verstärkte ihre Flugangst.
Björn hingegen drängte darauf, die Band weiter voranzutreiben. Er schlug vor, ein Kindermädchen einzustellen, um die Kinder zu betreuen, während die Gruppe auf Tour ging. Diese unterschiedlichen Vorstellungen führten zu immer größeren Spannungen.
Agnetha fühlte sich hin- und hergerissen zwischen ihrer Rolle als Mutter und ihren Verpflichtungen als Weltstar.
Die Ehe zerbrach schließlich an der Unvereinbarkeit von Beruf und Familie. 1979 reichte das Paar die Scheidung ein, die 1980 rechtskräftig wurde. Agnetha gab später zu, am Boden zerstört gewesen zu sein.
Björn hingegen versuchte, die Veränderungen zu meistern und gleichzeitig ein guter Vater zu bleiben. Er zog sich vorübergehend aus der Musik zurück, um sich auf die Kinder zu konzentrieren.
Die Trennung hatte auch Auswirkungen auf die Band. Nur zwei Jahre nach der Scheidung, 1982, legte ABBA eine Pause ein, die sich als endgültig herausstellte. Die einstige Traumfabrik war zerbrochen.
Doch Björn gab nicht auf. Gemeinsam mit Benny Andersson wandte er sich dem Musiktheater zu und schuf das Musical „Chess“ mit Tim Rice.
Der Erfolg von „Chess“ ebnete den Weg für weitere Projekte. „Kristina från Duvemåla“ und schließlich „Mamma Mia! “ – das auf ABBAs größten Hits basierende Musical wurde ein weltweites Phänomen.
Björn und Benny erhielten dafür Tony Awards und Grammy-Nominierungen. Die Musik half Björn, den Schmerz der gescheiterten Ehe zu verarbeiten.
Doch auch privat fand Björn neues Glück. Kurz nach der Scheidung von Agnetha heiratete er die Musikjournalistin Lena Källersjö. Das Paar bekam zwei Töchter und lebte zurückgezogen auf einer Insel in Danderyd bei Stockholm.
Von 1984 bis 1990 zogen sie nach Großbritannien, wo Björn ein IT-Unternehmen mitgründete. Nach über 40 Jahren trennten sie sich jedoch.
Während der Produktion des ABBA-Comebackalbums „Voyage“ im Jahr 2021 lernte Björn Christina Sas kennen, eine Produktmanagerin bei Universal Music. Die beiden begannen eine Beziehung und heirateten am 21. September 2024 in Kopenhagen.
Die Zeremonie wurde von Sandy Toksvig geleitet. Björn zeigte sich glücklich und entspannt.
Doch der Weg zurück ins Licht war steinig. Björn litt unter Gedächtnisverlust – zumindest wurde das berichtet. In einem Interview 2009 stellte er klar: „Die Berichte sind stark übertrieben.
Mein Gedächtnisverlust betrifft nur bestimmte Ereignisse, nicht meine kognitiven Fähigkeiten. “ Er zeigte sich offen und reflektiert über seine Zeit mit ABBA: „Es war gut, solange es dauerte. “
Ein weiterer Schatten fiel auf Björn, als die schwedische Steuerbehörde 2005 forderte, er schulde 90 Millionen Kronen (etwa 12,8 Millionen Dollar) an Nachzahlungen. Ihm wurde vorgeworfen, Einnahmen aus Musiklizenzen über ausländische Institutionen gewaschen zu haben. Björn zahlte die Summe vorsorglich, doch 2008 entschied das Verwaltungsgericht zu seinen Gunsten: Er schuldete nichts.
Trotz aller Widrigkeiten feierte Björn 2024 einen großen Triumph. Am 21. März wurden alle vier ABBA-Mitglieder von König Carl XVI.
Gustaf zu Kommandeuren Erster Klasse des Königlichen Wasaordens ernannt. Es war das erste Mal seit fast 50 Jahren, dass schwedische Bürger diesen Orden erhielten. Die Ehrung fiel mit dem 50.
Jahrestag von ABBAs Eurovisionssieg zusammen.
Auch Agnetha Fältskog fand nach der Trennung ihren Weg. Sie startete eine erfolgreiche Solokarriere mit Alben wie „Wrap Your Arms Around Me“ (1983), das in mehreren Ländern Platz 1 erreichte und sich weltweit 1,5 Millionen Mal verkaufte. Doch der Druck des Ruhms und persönliche Schicksalsschläge – der Selbstmord ihrer Mutter und der Tod ihres Vaters – stürzten sie in eine tiefe Depression.
Sie zog sich für 17 Jahre aus der Öffentlichkeit zurück, widmete sich Astrologie, Yoga und Reiten. Eine Beziehung mit einem niederländischen Gabelstaplerfahrer endete in Stalking und einer einstweiligen Verfügung. Erst mit ihrer Autobiografie „Som jag är“ („Wie ich bin“) kehrte sie langsam zurück.
Das Buch verkaufte sich weltweit über 50. 000 Mal.

Björn Ulvaeus hingegen nutzte seine kreative Energie für neue Projekte. Er arbeitete mit dem schwedischen DJ Avicii an der Eurovisionshymne 2013 und wurde Präsident von CISAC, der internationalen Dachorganisation für Autoren und Komponisten. 2021 kündigte ABBA das virtuelle Konzertprogramm „ABBA Voyage“ an, bei dem digitale Avatare der Gruppe in London auftreten.
Das Album „Voyage“ mit zehn neuen Songs erschien im November 2021 und löste weltweit Begeisterung aus. Die virtuelle Tour startete im Mai 2022. Björn zeigte auch eine humorvolle Seite: Gemeinsam mit dem britischen Schauspieler Ian McKellen veröffentlichte er Instagram-Videos, in denen sie Weihnachtspullover stricken.
2023 kündigten sie an, Bühnenoutfits für Kylie Minogue zu stricken.
Björn engagiert sich zudem für eine bargeldlose Gesellschaft. Nachdem sein Sohn ausgeraubt wurde, wurde er Schwedens führender Aktivist gegen Bargeld. Er lebt seit über einem Jahr ohne Bargeld und das ABBA-Museum arbeitet seit seiner Eröffnung 2013 bargeldlos.
„Bargeld fördert Kriminalität“, argumentiert er. Sein Einsatz für humanistische Werte brachte ihm 2006 den Hedinius-Preis ein.
Die Enthüllung von Björns Ehe-Albtraum zeigt, dass hinter dem Glitzer der Popwelt oft tiefe menschliche Abgründe liegen. Der Druck des Ruhms, die Unvereinbarkeit von Karriere und Familie sowie persönliche Ängste zerstörten eine der legendärsten Beziehungen der Musikgeschichte. Doch Björn und Agnetha fanden beide ihren Weg zurück ins Licht – durch Musik, Kreativität und die Kraft des Neuanfangs.
Björn Ulvaeus lebt heute mit seiner dritten Frau Christina Sas in Stockholm. Er blickt ohne Bitterkeit auf die Vergangenheit: „Es war eine schwierige Zeit, aber sie hat mich geformt. Ohne diese Erfahrungen wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin.
“ Die Fans weltweit sind dankbar für die Musik, die aus diesem Schmerz entstand – und für die Ehrlichkeit, mit der Björn nun seine Geschichte teilt.


