Meine drei Kinder haben die Lebensversicherung ihres Vaters unter sich aufgeteilt, während er noch im Sterbezimmer lag. Ich habe achttausend Euro bekommen. Auf dem Überweisungsträger stand: Unterstützung Mama. Sechzehn Monate später klingelte bei mir das Telefon.

Es war eine zweite Versicherung. Mein Name ist Hannelore Brunhuber, ich bin zweiundsiebzig und lebe in Kempten im Allgäu. Mein Mann Alois war Zimmerer, sein Leben lang auf dem Dach, bei jedem Wetter, in den Bergen. Ein zäher Mann mit kaputten Knien und Händen wie Wurzeln.
Wir waren siebenundvierzig Jahre verheiratet. Alois starb vor zweieinhalb Jahren an Lungenkrebs. Vierzig Jahre hatte er geraucht, und am Ende holte es ihn in sieben Monaten. Die letzten drei Wochen lag er bei uns zu Hause im Wohnzimmer, in einem Pflegebett am Fenster, damit er in den Garten sehen konnte.
Ich will Ihnen von diesen drei Wochen erzählen, weil sie das Wichtigste in dieser Geschichte sind. Es waren die schwersten und auf eine seltsame Art auch die dichtesten Wochen meines Lebens. Ich habe kaum geschlafen, habe drei Wochen auf dem Sofa neben seinem Bett gelegen, weil ich nicht wollte, dass er nachts allein aufwacht. Wir haben in diesen Wochen mehr geredet als in den zehn Jahren davor.
Alois war nie ein Mann der Worte, aber wenn man weiß, dass die Zeit abläuft, fällt einiges weg, das einen sonst hindert. Er hat mir Dinge erzählt, die ich nicht wusste. Von seinem Vater, der ihn geschlagen hat. Von einem Sturz vom Dach 1983, bei dem er sich fast das Genick gebrochen hätte und mir nie davon erzählt hat, damit ich keine Angst habe.
Die Schmerzmittel waren stark. Er schlief viel, manchmal den ganzen Tag, aber er war nicht weg. Die Palliativschwester, eine erfahrene Frau namens Frau Kienle, hat mir das gleich am Anfang gesagt: „Frau Brunhuber, sprechen Sie mit ihm. Auch wenn er zu schlafen scheint, das Gehör ist das Letzte, was geht.
Und sagen Sie das auch den Angehörigen. Es wird an solchen Betten zu viel geredet, was nicht gehört werden sollte. “
Ich habe es den Kindern gesagt, wörtlich. Ich habe zu allen dreien gesagt: Er hört euch, auch wenn er die Augen zu hat.
Redet mit ihm, nicht über ihn. Sie haben genickt. Alle drei. Wir haben drei Kinder.
Der älteste ist Konrad, neunundvierzig, er hat einen Baustoffhandel in Kempten. Dann kommt Sieglinde, sechsundvierzig, sie ist mit einem Steuerberater verheiratet. Und der Jüngste ist Xaver, zweiundvierzig, Bergführer und Skilehrer, immer der Unstete, immer knapp bei Kasse. Alois hatte eine Lebensversicherung aus den achtziger Jahren, abgeschlossen, als die Kinder klein waren.
Zweihundertvierzigtausend Euro Todesfallsumme. In der Police waren als Bezugsberechtigte die drei Kinder eingetragen, zu gleichen Teilen. Das war kein Fehler und kein böser Wille, sondern die Denkweise seiner Generation. Man versichert sich für die Kinder, damit sie versorgt sind, wenn dem Vater etwas passiert.
Damals war ich siebenundzwanzig und hätte im Zweifel wieder arbeiten gehen können. Er hat es nie geändert, vierzig Jahre lang nicht. Ich wusste davon, es war kein Geheimnis. Wir haben nie darüber geredet, weil man über solche Dinge nicht redet.
Es war an einem Dienstagnachmittag, elf Tage bevor Alois starb. Ich stand in der Küche und kochte Suppe. Die Tür zum Wohnzimmer war offen, wie immer, damit ich ihn hören konnte. Die drei Kinder waren da, sie saßen um das Pflegebett herum.
Ich hörte zuerst nur Murmeln. Dann wurde Konrad lauter, weil er immer lauter wird, wenn es um Zahlen geht. Und dann hörte ich, wie mein ältester Sohn sagte: „240 durch 3 sind 80. Da müssen wir uns einig sein, bevor es losgeht, sonst gibt’s hinterher Theater.
“
Ich blieb in der Küche stehen, mit dem Kochlöffel in der Hand. Sieglinde sagte etwas von Steuern und Freibetrag, sie hatte sich offenbar schon erkundigt. Und Konrad sagte: „Eben, deshalb müssen wir das sauber machen. Wenn es ausgezahlt ist, kann keiner mehr was ändern.
“
Ihr Vater lag zwei Meter weiter und atmete. Dann sagte Xaver: „Und was ist mit Mama? “ Es war einen Moment still. Dann sagte Konrad: „Mama hat das Haus und die Rente.
Die braucht nichts. Aber wir können ihr was rüberschieben, damit sie sich nicht übergangen fühlt. 8000 oder so, als Geste. “
Und Sieglinde sagte: „Ja, das ist gut.
8000 ist schön rund. Und schreib was Nettes dazu, wenn du überweist. “
Xaver fragte noch: „Ist das nicht ein bisschen wenig? “ Und Konrad antwortete: „Xaver, sie ist 72.
Was will sie denn damit? Sie fährt nicht mal mehr in Urlaub. “
Sie haben das im selben Zimmer besprochen, in dem ihr Vater im Sterben lag. Zwei Meter von seinem Bett entfernt.
Elf Tage vor seinem Tod. Die Suppe ist übergekocht, ich habe es nicht gemerkt. Und dann ist mir etwas eingefallen, das mir kalt den Rücken hinunterlief. Das Gehör ist das Letzte, was geht.
Ich hatte es ihnen gesagt, wörtlich. Alle drei hatten genickt. Und dann hatten sie sich um sein Bett gesetzt und ausgerechnet, was er wert ist. Ich bin ins Wohnzimmer gegangen.
Ich habe nichts gesagt, ich konnte nicht. Sie haben sofort das Thema gewechselt, wie Kinder das tun, wenn die Mutter hereinkommt. Sieglinde fing an, über das Wetter zu reden. Und ich habe zu Alois gesehen.
Seine Augen waren geschlossen, aber aus dem äußeren Augenwinkel, auf der Seite, die zu den Kindern zeigte, lief eine Träne über die Schläfe in das Kissen. Er hat es gehört. Jedes Wort. Ich habe die Kinder an diesem Nachmittag hinausgeschickt.
Ich habe gesagt, der Papa braucht Ruhe. Ich habe nicht gesagt, warum. Dann habe ich mich an sein Bett gesetzt und seine Hand genommen und gesagt: „Alois, ich bin da. Ich weiß, dass du das gehört hast.
Es tut mir so leid. “ Er hat meine Hand gedrückt, ganz schwach, aber er hat gedrückt. Er ist elf Tage später gestorben, an einem Sonntagmorgen. Nach der Beerdigung wurde die Versicherung ausgezahlt, an die drei Kinder, wie es in der Police stand.
Achtzigtausend Euro pro Kind. Ich habe kein Wort dazu gesagt. Es war ihr Recht. Drei Wochen später kam die Überweisung von Konrad im Namen aller drei: achttausend Euro.
Im Verwendungszweck stand: Unterstützung Mama. Ich habe diesen Kontoauszug lange angesehen. Zwei Wörter, mit denen meine Kinder mir mitteilten, wo mein Platz jetzt ist. Ich bin nicht die Witwe, die das Vermögen ihres Mannes erbt.
Ich bin ein Fall, den man unterstützt. Ich habe mich bedankt. Ich habe bei allen dreien angerufen und danke gesagt. Warum?
Weil ich zweiundsiebzig bin und drei Kinder habe und nicht in einem Krieg sterben wollte. Weil man das so macht in meiner Generation. Weil ich Angst hatte, sie zu verlieren, wenn ich etwas sage. Die sechzehn Monate danach waren still.
In den ersten Wochen kamen die Kinder oft, sie halfen mit den Ämtern, mit der Rentenumstellung, mit dem ganzen Papier, das der Tod mit sich bringt. Dann wurde es weniger. Sieglinde rief einmal im Monat an. Konrad kam alle sechs, acht Wochen vorbei, meist mit einem Anliegen.
Xaver war der einzige, der ohne Grund kam, aber der ist im Winter viel in den Bergen. Ich habe gelernt, allein zu leben. Ich bin wieder in den Kirchenchor gegangen, obwohl ich seit dreißig Jahren nicht mehr singe. Ich habe mir einen Kater aus dem Tierheim geholt.
Und ich habe sehr genau auf mein Geld geschaut. Meine Rente plus die kleine Witwenrente sind knapp neunzehnhundert Euro. Davon geht die Hälfte für das Haus und die Nebenkosten drauf. Es reicht, aber es reicht nicht für Überraschungen.
Im zweiten Winter kam eine Überraschung. Ein Sturm hat mir drei Ziegel vom Dach geholt. Der Dachdecker, der zum Nachsehen kam, sagte, das ganze Dach müsse in den nächsten zwei, drei Jahren neu. Zweiundvierzigtausend Euro hat er geschätzt.
Ich habe an diesem Abend am Küchentisch gesessen und gerechnet. Es ging nicht auf. Ich habe an die achtundzwanzigtausend gedacht, die jedes meiner Kinder mehr hatte, als es zum Leben braucht. Ich habe nicht gefragt.
Ich wusste, was passieren würde. Konrad hätte gesagt, wir gucken mal, und Sieglinde hätte gesagt, sie muss das mit ihrem Mann besprechen. Ich habe stattdessen einen Kredit angefragt bei der Sparkasse, mit zweiundsiebzig Jahren. Sie haben freundlich abgelehnt.
Zwei Wochen später klingelte das Telefon. Es war ein Donnerstagvormittag im Oktober, sechzehn Monate nach Alois’ Tod. Eine Frau meldete sich mit dem Namen einer Versicherung, die ich noch nie gehört hatte. Sie sagte: „Frau Brunhuber, spreche ich mit Hannelore Brunhuber, geborene Zeller?
“ Ich sagte: „Ja. “ Sie sagte: „Wir haben Ihnen mehrfach geschrieben an eine Adresse in Sonthofen. Die Post kam zurück. Es geht um einen Vertrag, bei dem Sie Bezugsberechtigte sind.
“
Sonthofen. Da haben wir bis 1989 gewohnt. Ich sagte, davon wüsste ich nichts. Und die Frau am Telefon sagte: „Das ist nicht ungewöhnlich, Frau Brunhuber.
Der Vertrag wurde von Ihrem Mann abgeschlossen. Es handelt sich um eine Risikolebensversicherung mit unwiderruflichem Bezugsrecht zu Ihren Gunsten, abgeschlossen im Jahr 2006. “
Ich habe nach dem Küchenstuhl gegriffen und mich hingesetzt. Sie sagte: „Die Versicherungssumme beträgt 150.
000 Euro. Wir haben vom Tod Ihres Mannes erst spät erfahren und versuchen seitdem, Sie zu erreichen. “
Einhundertfünfzigtausend Euro. Auf mich.
Unwiderruflich. Ich muss Ihnen erklären, was unwiderruflich bedeutet, denn ich habe es damals auch nicht verstanden. Bei einer normalen Lebensversicherung kann der Versicherungsnehmer jederzeit ändern, wer das Geld bekommt. Bei einem unwiderruflichen Bezugsrecht geht das nicht.
Sobald es eingetragen ist, kann es niemand mehr allein zurücknehmen. Es gehört dann dem Begünstigten. Alois hat 2006 eine zweite Versicherung abgeschlossen, mich als Begünstigte eingetragen und dieses Bezugsrecht unwiderruflich gemacht, damit niemand es später ändern konnte, auch er selbst nicht. Ich habe die Unterlagen kommen lassen und mit meiner Nachbarin durchgesehen, deren Tochter bei einer Bank arbeitet.
Dabei kam heraus, was Alois getan hatte. 2006 war er neunundfünfzig, hatte die erste Bandscheibenoperation hinter sich und wusste, dass er nicht mehr lange aufs Dach kann. In diesem Jahr schloss er einen Vertrag ab, dessen Beiträge er sechzehn Jahre lang bezahlt hat. Zweiundsechzig Euro im Monat von seinem Taschengeld, denn auf unseren gemeinsamen Auszügen taucht das nicht auf.
Er hatte dafür ein eigenes kleines Konto. Und in den Antragsunterlagen lag eine Kopie des Formulars, auf dem er das unwiderrufliche Bezugsrecht eingetragen hat. Es gibt da ein Feld für Bemerkungen. Meistens bleibt es leer.
Alois hat es ausgefüllt, in seiner Zimmererschrift mit Druckbuchstaben, weil er Schreibschrift nie gemocht hat. Da stand:
„Die alte Police läuft auf die Kinder. Das lasse ich so, das ist deren gutes Recht. Aber meine Frau soll nicht müssen.
Diese hier ist nur für sie und kann nicht mehr geändert werden, auch nicht von mir. “
Auch nicht von mir. Ich habe an meinem Küchentisch gesessen und diesen Satz gelesen, immer wieder. Mein Mann hat sich selbst misstraut.
Er hat gewusst, dass die Kinder irgendwann kommen und reden werden, und dass er ein weicher Mann ist, der nachgibt, wenn drei Kinder auf ihn einreden. Also hat er es so gemacht, dass er selbst es nicht mehr rückgängig machen kann. Er hat sich die Hände gebunden, um mich zu schützen, vor seinen eigenen Kindern und vor sich selbst. Das Geld wurde ausgezahlt.
Es hat vier Wochen gedauert, dann waren einhundertfünfzigtausend Euro auf meinem Konto. Ich habe es den Kindern nicht sofort gesagt, nicht aus Heimtücke. Ich wusste einfach nicht wie. Erfahren haben sie es im Frühjahr, durch Zufall.
Sieglinde hat auf meinem Küchentisch einen Brief der Versicherung liegen sehen, während ich Kaffee kochte, und hat ihn gelesen, einfach so, ohne zu fragen. Sie kam mit dem Brief in die Küche und fragte: „Mama, was ist das? “ Ich sagte: „Das ist die zweite Versicherung von eurem Vater. “
Es hat keine zwei Stunden gedauert, da rief Konrad an.
Er sagte: „Mama, das ist ja ein Ding. Warum hast du nichts gesagt? Wir müssen das jetzt vernünftig aufteilen. “ Ich fragte: „Was müssen wir aufteilen?
“ Und er sagte: „Na, die 150. Papas Geld gehört doch der Familie. Wir haben ja auch geteilt. “
Ich habe an diesem Punkt etwas gemacht, das ich in meinem ganzen Leben nicht gemacht habe.
Ich habe ihn ausreden lassen und dann eine einzige Frage gestellt, ganz ruhig: „Konrad, wie viel habe ich von den 240. 000 bekommen? “ Er sagte: „Mama, das war doch was ganz anderes. Das war ja auf uns eingetragen.
“ Ich sagte: „Ich frage, wie viel? “ Er sagte: „8. 000. “ Und ich sagte: „Und im Verwendungszweck stand Unterstützung, Mama.
Das habe ich mir aufgehoben. Der Auszug liegt hier. “
Es war still. Dann sagte ich: „Diese Police ist unwiderruflich auf mich eingetragen.
Das hat euer Vater 2006 so gemacht, damit sie niemand mehr ändern kann, auch er selbst nicht. Er hat dazu geschrieben, warum. Soll ich dir vorlesen, was er geschrieben hat? “ Konrad sagte, das sei nicht nötig.
Ich habe es trotzdem vorgelesen, den ganzen Satz: „Meine Frau soll nicht betteln müssen. “
Danach war es lange still am Telefon. Dann sagte er: „Das hat er wegen uns geschrieben, oder? “ Und ich sagte: „Ja, Konrad.
Und er hat es 2006 geschrieben, da war er noch gesund. Da hat er euch nur angeschaut und gewusst, wie es kommt. “
Ich habe das Geld behalten, vollständig. Nicht um sie zu bestrafen, sondern weil ihr Vater sechzehn Jahre lang zweiundsechzig Euro im Monat von seinem Taschengeld bezahlt hat, damit ich es habe.
Ich hätte kein Recht, das wegzugeben. Ich habe damit das Dach machen lassen, das Alois selbst nicht mehr geschafft hat. Ein Zimmerer, dessen eigenes Dach undicht war, weil die Knie nicht mehr mitmachten. Das hat ihn geärgert bis zuletzt.
Den Rest habe ich fest angelegt. Ich lebe von meiner Rente wie vorher. Xaver, der Jüngste, hat mich zwei Wochen nach dem Anruf besucht. Er saß an meinem Küchentisch und sagte: „Mama, ich habe damals gefragt, was mit dir ist.
Am Bett von Papa. Aber ich habe nicht weiter gefragt, als der Konrad mit den 8000 kam. Das tut mir leid. “ Ich sagte: „Xaver, du warst der Einzige, der überhaupt gefragt hat.
Und dein Vater hat das auch gehört. “ Er sah mich an und fragte: „Er hat das gehört? “ Und ich habe ihm von der Träne erzählt. Mein Sohn, ein Bergführer, ein Mann, der Menschen aus Lawinen holt, hat an meinem Küchentisch geweint wie ein Kind.
Sieglinde und ich reden wieder, vorsichtig, seit ein paar Monaten. Mit Konrad ist es schwierig. Er findet bis heute, ich hätte teilen müssen. Er sagt es nicht mehr direkt, aber es steht bei jedem Besuch im Raum.
Ich möchte Ihnen etwas mitgeben, und es ist diesmal sehr praktisch. Erstens: Sehen Sie nach, auf wen die Lebensversicherung Ihres Mannes läuft. Jetzt, solange er lebt. Viele Policen aus den siebziger und achtziger Jahren laufen auf die Kinder, weil man das damals so gemacht hat.
Das war einmal sinnvoll. Heute kann es bedeuten, dass Sie als Witwe leer ausgehen. Zweitens, das Wichtigste: Es gibt das unwiderrufliche Bezugsrecht. Ein Kreuz auf einem Formular.
Wenn es einmal gesetzt ist, kann es niemand mehr allein ändern. Nicht die Kinder, nicht der Versicherungsnehmer selbst. Mein Mann hat gewusst, dass er ein weicher Mann ist. Deshalb hat er sich selbst die Möglichkeit genommen, umzufallen.
Und drittens, für alle, die am Bett eines Sterbenden sitzen: Das Gehör ist das Letzte, was geht. Reden Sie in diesem Zimmer nicht über Geld, nicht flüsternd, nicht im Nebensatz, gar nicht. Meine Kinder haben am Bett ihres Vaters ausgerechnet, wer wie viel bekommt, und dabei beschlossen, die Mutter mit einer Geste abzufinden. Er hat es gehört.
Und er konnte nichts mehr sagen. Ich hoffe, es hat ihn getröstet zu wissen, dass er sechzehn Jahre vorher schon geantwortet hatte. Das neue Dach ist im Sommer fertig geworden. Rote Ziegel, so wie Alois sie immer wollte.
Ich habe die Zimmerer gefragt, ob sie ihn gekannt haben. Der Älteste hat gesagt, den Brunhuber Alois, der hat mir das Handwerk beigebracht. Sie haben mir keinen Cent für die Arbeitsstunden berechnet, nur das Material. Der Meister hat gesagt: „Frau Brunhuber, das ist das Dach vom Alois.
Da nehmen wir nichts. “
Ich sitze jetzt manchmal abends im Garten und schaue hinauf. Er hat es doch noch gedeckt bekommen, sein Dach. Nur eben von unten.
Sechzehn Jahre vorher, mit zweiundsechzig Euro im Monat.


