Die deutsche Öffentlichkeit muss sich einer historischen Wahrheit stellen, die in den Archiven längst belegt ist, aber in der kollektiven Erinnerung oft verdrängt wurde: Der Aufstieg Adolf Hitlers und der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei zur Macht im Jahr 1933 war kein spontaner Akt der Massenhysterie, sondern das Ergebnis einer präzise geplanten und finanziell gesteuerten Operation deutscher Schwerindustrieller, internationaler Bankhäuser und amerikanischer Konzerne. Dies geht aus einer umfassenden Analyse von Buchhaltungsunterlagen, eidesstattlichen Erklärungen und Protokollen der Nürnberger Prozesse hervor, die jetzt erstmals in ihrer ganzen Tiefe ausgewertet wurden. Die populäre Erzählung, die Partei habe sich allein durch Mitgliedsbeiträge und Spenden aus der Bevölkerung finanziert, ist nach diesen Erkenntnissen nicht haltbar.
Die entscheidenden Weichen wurden bereits in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg gestellt. Der Versailler Vertrag von 1919 hatte der jungen Weimarer Republik Reparationen auferlegt, die von der deutschen Unternehmerschaft als wirtschaftlich ruinös empfunden wurden. Die Hyperinflation des Jahres 1923 vernichtete die Geldvermögen der bürgerlichen Mittelschicht, während die Besitzer von Sachwerten, Stahlwerken, Kohleminen und Chemiefabriken gestärkt aus der Krise hervorgingen. In dieser Periode formierte sich an Rhein und Ruhr eine Klasse von Schwerindustriellen, die ein massives Interesse an einer politischen Stabilisierung ihrer Marktposition entwickelte und die parlamentarische Demokratie zunehmend als Hindernis ihrer Pläne betrachtete.
Der Dawes-Plan von 1924 stabilisierte die deutsche Währung mit Hilfe amerikanischer Anleihen. Zwischen 1924 und 1930 flossen rund 21 Milliarden Reichsmark in Form von Krediten aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland, ein erheblicher Teil davon in die Schwerindustrie. Der Young-Plan von 1929 setzte die Reparationen herab, koppelte sie aber endgültig an internationale Bankenstrukturen. Der deutsche Verhandlungsführer in diesen Gesprächen war Hjalmar Schacht, ein Mann, der noch eine zentrale Rolle spielen sollte. Als die New Yorker Börse im Oktober 1929 zusammenbrach, wurde der Kapitalfluss abrupt unterbrochen. Deutsche Banken gerieten in eine Krise, die im Sommer 1931 in der Bankenkrise gipfelte und die Arbeitslosigkeit auf nahezu sechs Millionen Menschen trieb.
In diesem politischen und wirtschaftlichen Vakuum begann die NSDAP zu wachsen, aber nicht allein durch die emotionale Wirkung ihrer Massenkundgebungen. Frühe finanzielle Förderer waren bereits in den 1920er Jahren aktiv. Der Ruhrindustrielle Emil Kirdorf, ein Stahl- und Kohlemagnat von hohem Rang, trat 1927 der Partei bei und vermittelte Hitler systematisch Kontakte zu seinen Standeskollegen. Fritz Thyssen, Erbe des Stahlimperiums an der Ruhr, leistete seit den frühen 1930er Jahren Zahlungen an Hitler, Beträge, die er später in seinem Buch I Paid Hitler ausführlich beschrieb. Das Ehepaar Helene und Edwin Bechstein, Klavierfabrikanten aus Berlin, finanzierte die ersten Ausgaben des Parteiblattes Völkischer Beobachter und führte Hitler in die großbürgerlichen Salons Münchens und Berlins ein.
Bei der Reichstagswahl vom 14. September 1930 erreichte die NSDAP 6,4 Millionen Stimmen und wurde zur zweitstärksten Fraktion im Reichstag. Ein Sprung, der nach den Forschungen des Historikers Karsten Heinz Schönbach ohne die finanzielle Unterstützung von Thyssen, der IG Farben und Kirdorf in dieser Form nicht möglich gewesen wäre. Das Jahr 1932 wurde zum entscheidenden Wendepunkt. Am 27. Januar 1932 hielt Adolf Hitler im Düsseldorfer Industrieclub eine zweistündige Rede vor rund 650 Vertretern der deutschen Schwerindustrie, des Bankenwesens und der Großwirtschaft. Hitler präsentierte sich nicht als revolutionärer Aufrührer, sondern als Verteidiger des Privateigentums und als Garant einer starken Hand, die der Wirtschaft Berechenbarkeit zurückgeben sollte.
Im Zeitraum zwischen Februar 1926 und Februar 1933 sind nach den Forschungen des britischen Historikers Adam Tooze mehr als 40 direkte Treffen zwischen Hitler und führenden Industriellen oder Bankiers dokumentiert. Diese Zusammenkünfte fanden in privaten Villen, Luxushotels oder gehobenen Restaurants statt. Im Hintergrund agierte ein engerer Kreis, der seit 1928 unter dem Namen Ruhrlade die Geschicke der deutschen Schwerindustrie faktisch koordinierte. Paul Reusch von der Gutehoffnungshütte, Albert Vögler von den Vereinigten Stahlwerken und Fritz Springorum von der Hoesch AG waren Männer, deren Einfluss den vieler gewählter Politiker bei weitem überstieg.
Im Sommer und Herbst 1932 spitzte sich die Lage dramatisch zu. Die Reichstagswahl vom 31. Juli 1932 brachte der NSDAP 13,7 Millionen Stimmen, ihr bis dahin höchstes Ergebnis. Doch bei der nächsten Wahl am 6. November 1932 verlor die Partei zwei Millionen Stimmen und stand am Rand des finanziellen Bankrotts. Joseph Goebbels notierte in dieser Phase in seinem Tagebuch, die Partei sei tief verschuldet und könne ihre eigenen Funktionäre kaum noch bezahlen. Es war exakt dieser Moment der Schwäche, in dem die Großindustrie ihre entscheidende Rolle spielen sollte.
Im November 1932 formulierte ein Kreis von 20 Industriellen, Bankiers und Großgrundbesitzern die sogenannte Industriellen-Eingabe an Reichspräsident Paul von Hindenburg. Diese Eingabe forderte Hindenburg unmissverständlich auf, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Zu den Unterzeichnern gehörten Hjalmar Schacht, der Kölner Bankier Kurt Freiherr von Schröder und der Hamburger Bankier Erwin Merck. Die Botschaft an Hindenburg war eindeutig: Ein erheblicher Teil der wirtschaftlichen Elite Deutschlands wünschte Hitler an der Spitze der Regierung.
Am 4. Januar 1933 fand in der Villa des Kölner Bankiers Kurt Freiherr von Schröder eine streng geheime Zusammenkunft statt, die heute als die eigentliche Geburtsstunde des Kabinetts Hitler gilt. Anwesend waren Adolf Hitler, der ehemalige Reichskanzler Franz von Papen, Rudolf Hess, Heinrich Himmler und Hitlers Wirtschaftsberater Wilhelm Keppler. Schröder selbst sagte später vor amerikanischen Vernehmungsoffizieren in Nürnberg aus, das Gespräch habe sich um die Schulden der NSDAP, eine Regierungsbeteiligung und konkrete Sicherheiten für die deutsche Wirtschaft gedreht.
Drei Tage später, am 7. Januar 1933, machte Franz von Papen auf der Rückreise nach Berlin Station in Dortmund. In den Räumen eines Industriebüros traf er sich mit Mitgliedern der Ruhrlade. Von Papen erläuterte den Industriellen seine Pläne, eine Diktatur unter Beteiligung Hitlers, abgesichert durch ein konservatives Kabinett. Die Forschung von Joachim Radkau und George Hallgarten hat dokumentiert, dass die Ruhrlade unmittelbar nach dem Kölner Treffen eine Konsortiumlösung organisierte, mit der die finanziellen Engpässe der Hitlerpartei gelindert wurden.
Am 14. Januar 1933 folgte ein weiteres Treffen, in dem die wirtschaftspolitischen Eckpunkte der späteren Regierung formell abgestimmt wurden. Hitlers wirtschaftliches Programm wurde in seinen Grundzügen vollständig akzeptiert: Aufrüstung, Zerschlagung der Gewerkschaften, Privatisierung staatlicher Beteiligungen und ein hartes Vorgehen gegen die linken Parteien. Sechzehn Tage später, am 30. Januar 1933, ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler offiziell zum Reichskanzler. Was an diesem Tag wie das Ergebnis verfassungsmäßiger Routine aussah, war in Wahrheit der Vollzug eines Pakts, dessen wesentliche Bestandteile in Schröders Kölner Villa und in einem Dortmunder Industriebüro ausgehandelt worden waren.
Drei Wochen nach der Vereidigung Hitlers, am Montag, dem 20. Februar 1933, fand jenes Treffen statt, das viele Historiker heute als den finanziellen Gründungsakt des Dritten Reiches bezeichnen. Schauplatz war das Reichstagspräsidentenpalais in Berlin, der Amtssitz Hermann Görings. Die Einladungen waren mit kurzer Vorlaufzeit verschickt worden. Organisiert wurde das Treffen von Hjalmar Schacht, dem ehemaligen und bald wieder amtierenden Reichsbankpräsidenten. Anwesend waren unter anderem Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, Albert Vögler, Fritz Springorum, August Rosterg von der Wintershall AG, Georg von Schnitzler vom Vorstand der IG Farben, Hugo Stinnes junior, Fritz von Opel, Günther Quandt, Friedrich Flick und August von Finck.
Den Ablauf dieses Abends rekonstruierte später Georg von Schnitzler in einer eidesstattlichen Erklärung vom 10. November 1945. Zunächst eröffnete Hermann Göring kurz die Versammlung und betonte die Bedeutung des bevorstehenden Wahlkampfs zur Reichstagswahl vom 5. März 1933. Dann betrat Adolf Hitler den Raum und hielt eine Rede von neunzig Minuten Länge. Nach den überlieferten Notizen aus den Akten Friedrich Flicks sagte Hitler, dass das Privatunternehmertum im Zeitalter der Demokratie nicht aufrechterhalten werden könne. Er versprach die vollständige Ausschaltung der Gewerkschaften und der Kommunistischen Partei.
Nach Hitlers Ansprache verließ er den Raum und Hermann Göring übernahm das Wort. Er erklärte den Versammelten unverblümt, die Parteikasse sei leer. Der Wahlkampf benötige eine erhebliche finanzielle Verstärkung. Göring wiederholte den Satz Hitlers, dies werde mit hoher Wahrscheinlichkeit die letzte Wahl auf zehn, vielleicht hundert Jahre sein. Dann trat Hjalmar Schacht ans Rednerpult und nannte die konkrete Forderung: drei Millionen Reichsmark für den Wahlfonds der NSDAP und ihrer Bündnispartei, der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot.
Die Aufteilung der Summen erfolgte an Ort und Stelle. Eine Million Reichsmark sollte vom Steinkohle- und Stahlbergbau des Ruhrgebiets aufgebracht werden, jeweils 500.000 Reichsmark vom Kalibergbau und von der chemischen Industrie, eine weitere Million vom Braunkohlebergbau, von den Automobilherstellern und von den Maschinen- und Elektrotechnikkonzernen. Allein der Vorstand der IG Farben sagte unmittelbar im Anschluss an das Treffen 400.000 Reichsmark zu. Bis zum Ende des Jahres 1933 sollte sich die Gesamtspende der IG Farben an die NSDAP auf 4,5 Millionen Reichsmark summieren.
Die zugesagten Summen wurden auf ein Sonderkonto mit der Bezeichnung Nationale Treuhand Dr. Hjalmar Schacht beim Berliner Bankhaus Delbrück, Schickler und Kompagnie eingezahlt. Von dort flossen die Gelder weiter an Rudolf Hess und an den Franz-Eher-Verlag, den Parteiverlag der NSDAP. Die unmittelbare Wirkung dieser Finanzspritze ist in den Quellen klar dokumentiert. Wenige Tage nach dem Treffen, in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933, brannte der Reichstag. Die Reichstagsbrandverordnung setzte die Grundrechte außer Kraft.
Bei der Reichstagswahl vom März 1933 erreichte die NSDAP 17,3 Millionen Stimmen, was 43,9 Prozent entsprach. Erst gemeinsam mit der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot ergab sich eine Mehrheit. Am 23. März 1933 verabschiedete der Reichstag das Ermächtigungsgesetz, mit dem Hitler die Befugnis erhielt, Gesetze ohne den Reichstag zu erlassen. In einem Brief vom 24. März 1933 dankte Gustav Krupp im Namen des Reichsverbandes der deutschen Industrie Hitler ausdrücklich für das Wahlergebnis. Die Demokratie war in Deutschland an diesem Tag rechtlich beendet, und sie wurde mit dem Geld jener Männer beendet, die am 20. Februar im Reichstagspräsidentenpalais zusammengekommen waren.

Die zweite Phase der Finanzierung des Dritten Reiches begann unmittelbar danach und ist vor allem mit dem Namen Hjalmar Schacht verbunden. Am 16. März 1933 wurde Schacht erneut zum Präsidenten der Reichsbank ernannt. Schacht hatte ein dichtes Netzwerk in der Federal Reserve, der Bank von England und an der Wall Street. Im Mai 1933 reiste Schacht in die Vereinigten Staaten, traf US-Präsident Franklin Delano Roosevelt und führte Gespräche mit führenden Bankhäusern in New York. Das Ergebnis dieser Mission war eine amerikanische Kreditzusage an Deutschland in einer Größenordnung von rund einer Milliarde US-Dollar.
Im Juni 1933 folgte ein Besuch in London, wo Schacht den Gouverneur der Bank von England, Montagu Norman, traf. Schacht erbat eine weitere Kreditlinie von rund zwei Milliarden US-Dollar sowie eine Reduzierung der Zahlungen auf bereits laufende Anleihen. Im Sommer 1934 schloss das Vereinigte Königreich mit Deutschland das Anglo-German Transfer Agreement, das den Zahlungsverkehr zwischen beiden Volkswirtschaften neu regelte. Das Bankhaus Schröder in London wurde zum zentralen Vermittler der deutschen Außenfinanzierung.
Das wirklich bedeutende finanzpolitische Instrument, mit dem die Aufrüstung des Dritten Reiches erst möglich wurde, trägt den unscheinbaren Namen Mefo-Wechsel. Im Juli 1933 wurde auf Veranlassung Schachts die Metallurgische Forschungsgesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet, eine Scheinfirma ohne reale industrielle Tätigkeit, getragen von vier Großkonzernen: Krupp, Siemens, Gutehoffnungshütte und Rheinmetall. Rüstungsunternehmen, die Lieferungen an die Wehrmacht erbrachten, wurden nicht mit Reichsmark in bar bezahlt, sondern mit Wechseln, die auf die Metallurgische Forschungsgesellschaft gezogen waren.
Die Reichsbank akzeptierte diese Wechsel, die mit einer Laufzeit von zunächst sechs Monaten ausgestattet und immer wieder verlängert werden konnten. Die Folge war, dass die Wechsel zwischen den Unternehmen als faktische Parallelwährung zur Reichsmark zirkulierten. Der politische und ökonomische Sinn dieser Konstruktion war zweifach: Erstens umging das Reich mit den Mefo-Wechseln die im Reichsbankgesetz festgelegte Grenze für direkte Kredite an den Staat. Zweitens erschienen die durch Mefo-Wechsel finanzierten Aufrüstungsausgaben nicht im offiziellen Reichshaushalt.
In der Zeit vom 1. April 1934 bis zum 31. März 1938 wurden Mefo-Wechsel im Gesamtvolumen von zwölf Milliarden Reichsmark ausgegeben. Sie deckten je nach Berechnungsmethode zwischen 20 und 45 Prozent der gesamten Rüstungsausgaben des Reiches in dieser Phase. Als im Jahr 1938 die ersten Mefo-Wechsel zur Einlösung fällig wurden, gab es im Reich keine ausreichende Liquidität. Schacht warnte in dieser Phase zunehmend offen vor einem Inflationskollaps. Im Januar 1939 richtete er gemeinsam mit dem Reichsbankdirektorium ein Memorandum an Hitler, in dem er auf die wachsende Gefahr für die Währungsstabilität hinwies.
Die Antwort war keine Rückkehr zu finanzpolitischer Disziplin, sondern Schachts Entlassung. Am 20. Januar 1939 wurde Schacht als Reichsbankpräsident abberufen. Wenige Monate später unterstellte Hitler die Reichsbank direkt seinem Befehl und verpflichtete sie, dem Reich Kredite in beliebiger Höhe zu gewähren. Damit war die Funktion der Mefo-Wechsel überflüssig geworden. Der Schritt zur direkten Notenpressenfinanzierung des Krieges war vollzogen, knapp drei Monate vor dem deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939.
Die Geschichte des Geldes, das in das Dritte Reich floss, endet nicht an den Grenzen Deutschlands. Sie reicht über den Atlantik, in die Vorstandsetagen amerikanischer Konzerne und in die Wandelhallen der Wall Street. Bereits am 3. August 1933 empfing Hitler in der Reichskanzlei den Vorstandsvorsitzenden des amerikanischen Telekommunikationsriesen International Telephone and Telegraph, Sosthenes Behn. In der Folge wurde Behn in den Keppler-Kreis aufgenommen. Über die deutsche Tochtergesellschaft C. Lorenz AG hielt der Konzern 25 Prozent an dem Bremer Flugzeughersteller Focke-Wulf.
Auch andere amerikanische Konzerne pflegten enge Geschäftsbeziehungen zum Dritten Reich. Die Adam Opel AG befand sich seit 1931 vollständig im Besitz von General Motors aus Detroit. Während des Krieges produzierte das Werk Lastkraftwagen für die Wehrmacht. Die Ford-Werke AG in Köln lieferten Militärfahrzeuge für die deutschen Streitkräfte und setzten dabei auch Zwangsarbeiter ein. IBM stellte über ihre deutsche Tochter Lochkartenmaschinen zur Verfügung, mit denen Volkszählungen und logistische Erfassungen durchgeführt wurden.
Standard Oil aus New Jersey schloss bereits 1933 mit der IG Farben ein Abkommen, das den Aufbau der deutschen Synthese-Treibstoffindustrie ermöglichte. Eine besondere Rolle spielte das Bankhaus Brown Brothers Harriman aus New York. Einer seiner Partner war Prescott Bush, der Vater des späteren US-Präsidenten George H. W. Bush. Prescott Bush war Direktor der Union Banking Corporation, einer New Yorker Bank, die eng mit den Stahl- und Bergbauinteressen Fritz Thyssens verbunden war.
Im Oktober 1942 wurden die Vermögenswerte der Union Banking Corporation auf der Grundlage des Trading with the Enemy Act beschlagnahmt. Die Schröder Bank in London und ihre New Yorker Niederlassung Schröder Rockefeller and Company blieb über die gesamte Vorkriegszeit hinweg ein zentraler Knotenpunkt der finanziellen Verbindungen zwischen Berlin, der City of London und der Wall Street. Die Akten dieser Bank wurden nach 1945 nur in Teilen für die wissenschaftliche Forschung freigegeben.
Wer aber profitierte am Ende konkret von diesem System? Die Antwort findet sich in den Bilanzen der großen deutschen Konzerne der 1930er und 1940er Jahre. Im Zuge der sogenannten Arisierung wurden zwischen 1933 und 1945 jüdische Unternehmen und Immobilien zu Bruchteilen ihres realen Werts an arische Käufer übertragen. Friedrich Flick übernahm 1937 die Petschek-Gruppe, einen der größten jüdischen Bergbaukonzerne Mitteleuropas. Günther Quandt erweiterte sein Imperium durch zahlreiche Erwerbungen jüdischen Eigentums.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs trat das System in seine entsetzlichste Phase ein. Im Jahr 1941 errichtete die IG Farben in unmittelbarer Nähe des Konzentrationslagers Auschwitz das Werk IG Auschwitz, in dem tausende von Häftlingen unter mörderischen Bedingungen Synthesekautschuk und Treibstoff produzieren mussten. Schätzungsweise 25.000 bis 30.000 Häftlinge verloren bei diesem einen Projekt der IG Farben das Leben. Krupp, die Vereinigten Stahlwerke, Hoesch, Daimler-Benz, das Volkswagenwerk und Siemens setzten in ihren Produktionsstätten Zwangsarbeiter ein.
Nach Schätzungen des Bundesarchivs arbeiteten zum Höhepunkt des Krieges im Sommer 1944 mehr als 7,6 Millionen ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in der deutschen Kriegswirtschaft. Die Nürnberger Nachfolgeprozesse zwischen 1946 und 1949 versuchten die wirtschaftliche Verantwortung zumindest teilweise zu adressieren. Im Verfahren gegen die IG Farben wurden 23 Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder vor Gericht gestellt, 13 von ihnen wurden verurteilt. Im Krupp-Prozess wurden elf Angeklagte verurteilt, Alfred Krupp zu zwölf Jahren Haft mit Vermögenseinzug.
Die meisten dieser Strafen wurden in den Jahren 1951 und 1952 im Kontext des Kalten Krieges vom amerikanischen Hochkommissar John McCloy stark verkürzt oder vollständig erlassen. Die beschlagnahmten Vermögen wurden zurückgegeben. Die Konzerne, deren Geld den Aufstieg Hitlers mitfinanziert hatte, kehrten gestärkt in die Wirtschaftslandschaft der Bundesrepublik Deutschland zurück. Friedrich Flick wurde nach seiner Haftentlassung wieder zum reichsten Mann Westdeutschlands. Hjalmar Schacht wurde im Hauptverfahren in Nürnberg am 1. Oktober 1946 sogar freigesprochen.
Die Finanzierung des Dritten Reiches war ein dichtes Geflecht aus deutschem Großkapital, internationalen Bankhäusern und transatlantischen Konzerninteressen. Ein Geflecht, das in privaten Villen in Köln, in Industriebüros in Dortmund, im Reichstagspräsidentenpalais in Berlin, im Weißen Haus in Washington und in der Bank von England in London gesponnen wurde. Es war Hjalmar Schacht, der die Brücke zwischen der Reichsbank und der Wall Street schlug. Es waren Krupp, Vögler, Springorum, Rosterg, von Schnitzler, Stinnes, Quandt, Flick und von Finck, die am 20. Februar 1933 in einem einzigen Abend einen Wahlfonds in Höhe von drei Millionen Reichsmark zusicherten.
Was wurde nach 1945 verschwiegen? Nicht das Verbrechen selbst, das in den Akten von Nürnberg ausführlich dokumentiert ist. Verschwiegen wurde die Selbstverständlichkeit, mit der die Geldströme der 1930er Jahre nach dem Krieg in die Wirtschaftsstrukturen der Bundesrepublik und der Vereinigten Staaten zurückgeleitet wurden. Verschwiegen wurden die Namen, die in den Aufsichtsräten, Stiftungen und Familientraditionen bis in die Gegenwart wirken. Eine Diktatur dieses Ausmaßes ist ohne die kalkulierte finanzielle Mitwirkung großer wirtschaftlicher Akteure nicht denkbar.


