PHILADELPHIA – Ein Familiendrama in den Vororten hat am Samstagmittag ein tödliches Geheimnis ans Licht gebracht, das fast neun Monate lang im Verborgenen gewütet hatte. Was als harmloser Nachmittag im Garten begann, endete mit der Festnahme einer 64-jährigen Frau, die ihre eigene Schwiegertochter über Wochen hinweg systematisch vergiftet haben soll.
Die Beamten des Polizeibezirks Delaware County bestätigten gegenüber Reportern, dass Renate Dah, die Schwiegermutter des Hausbesitzers Leon B. , gegen 12:15 Uhr Ortszeit in ihrem eigenen Zuhause festgenommen wurde. Der Vorwurf: versuchter Mord, schwere Körperverletzung und Kindesgefährdung.
Die Ermittler beschreiben den Fall als eines der perfidesten Verbrechen, das sie in den letzten Jahren gesehen haben.
Der entscheidende Hinweis kam von einem neunjährigen Mädchen, das seiner Mutter in letzter Sekunde das Leben rettete. Die Kleine hatte beobachtet, wie ihre Großmutter eine unbekannte Flüssigkeit in den Tee ihrer Mutter träufelte – und alarmierte ihren Vater, der die Szene per Videoüberwachung miterlebte. „Ohne das mutige Handeln des Kindes und die Geistesgegenwart des Vaters wäre diese Frau heute womöglich tot”, sagte Staatsanwalt Mark Thompson in einer ersten Stellungnahme.
Die Ermittlungen förderten ein erschreckendes Bild zutage. Seit dem Tod ihres Ehemanns Harold Dah im Februar dieses Jahres, der zunächst als plötzlicher Herzinfarkt galt, soll Renate Dah ihre Schwiegertochter Karina B. systematisch mit einer Mischung aus Schlafmitteln, Beruhigungstabletten und dem Herzmedikament Digoxin versorgt haben.
Die Substanz, die in hohen Dosen tödlich wirken kann, wurde inzwischen auch in der Blutprobe des verstorbenen Harold Dah nachgewiesen.
Die Obduktion, die auf Antrag der Staatsanwaltschaft angeordnet wurde, ergab, dass auch der 68-jährige Ehemann über einen längeren Zeitraum mit dem Medikament behandelt wurde. „Die Dosierung war so berechnet, dass sie nicht sofort auffiel, aber über Wochen hinweg den Herzmuskel schwächte”, erklärte der leitende Gerichtsmediziner Dr. Alan Weiss.
„Das ist kein Versehen, das ist eine Hinrichtung auf Raten.”
Die Familie lebte in einem gepflegten Einfamilienhaus in einer ruhigen Sackgasse, in dem Leon B. vor zwölf Jahren selbst Hand angelegt hatte. Nachbarn beschreiben die Familie als unauffällig und freundlich.
„Man hat nie etwas davon geahnt”, sagte die 47-jährige Nachbarin Susan Miller. „Karina wirkte in den letzten Monaten oft blass und müde, aber wir dachten, sie hätte Stress auf der Arbeit oder eine schwere Grippe.”
Doch hinter der Fassade aus gepflegtem Vorgarten und freundlichen Grüßen verbarg sich ein Albtraum. Karina B. , eine 38-jährige Büroangestellte, litt seit Monaten unter rätselhaften Symptomen: Migräne, Schwindel, Übelkeit, Gewichtsverlust und zeitweise Verwirrtheit.
Sie suchte mehrere Ärzte auf, doch keiner konnte eine eindeutige Diagnose stellen. „Ich dachte, ich würde verrückt”, sagte sie später den Ermittlern. „Ich habe mir selbst die Schuld gegeben, dachte, ich sei schwach oder würde mir alles einbilden.”
Ihr Ehemann Leon, ein Bauunternehmer, der das Haus eigenhändig errichtet hatte, bemerkte den langsamen Verfall seiner Frau. Doch erst der Vorfall am Samstag brachte die Wahrheit ans Licht. Seine neunjährige Tochter Mila, die im Garten spielte, hörte einen Schrei aus dem Haus und fand ihre Großmutter, die sie in ihrem Zimmer festhielt und bedrohte.
„Sag Papa nichts”, soll die Großmutter gefaucht haben, während sie das Kind an der Schulter packte.
Der Vater, der den Rasenmäher abstellte und ins Haus rannte, fand seine Tochter zitternd auf dem Boden und seine Schwiegermutter mit einer Handtasche, die sie krampfhaft festhielt. In der Tasche entdeckte er drei Medikamentenfläschchen – zwei auf den Namen seines verstorbenen Schwiegervaters ausgestellt, das dritte mit einem zerkratzten Etikett, auf dem noch die Aufschrift „Digoxin” zu lesen war. Die Tochter berichtete, ihre Großmutter habe am Morgen etwas in den Kaffee ihrer Mutter getan und sie dann gezwungen, zu schweigen.
Leon B. handelte besonnen. Er konfrontierte seine Schwiegermutter, die zunächst leugnete und von „Privatsphäre” sprach.
Doch als er mit einem Anruf bei der Polizei drohte, gab sie die Tasche heraus. Die Fläschchen wurden sichergestellt, und der Vater informierte umgehend seinen langjährigen Freund Nils Decker, einen Chemiker, der die Substanzen analysierte. Das Ergebnis: eine gefährliche Mischung aus Zolpidem, Diazepam und Digoxin – letzteres in einer Dosierung, die bei regelmäßiger Einnahme tödlich sein kann.
Die Ermittler gehen davon aus, dass Renate Dah seit dem Tod ihres Mannes im Februar versuchte, auch ihre Schwiegertochter zu beseitigen. Als Motiv vermuten sie Habgier: Karina B. war als Begünstigte in der Lebensversicherung ihres Mannes eingetragen, und nach deren Tod hätte das Vermögen an die Schwiegermutter fallen können.
„Es ist ein klassisches Muster”, sagte Profilerin Dr. Emily Hart von der Universität Pennsylvania. „Die Täterin sucht sich ein Opfer, das niemand ernst nimmt, das Symptome zeigt, die auf Stress oder Krankheit geschoben werden.
Sie spielt die fürsorgliche Schwiegermutter, während sie langsam Gift verabreicht.”
Besonders erschütternd: Auch der Tod von Harold Dah, der im Februar an einem „plötzlichen Herzinfarkt” starb, muss nun neu bewertet werden. Die Obduktion ergab, dass auch er über Wochen hinweg mit Digoxin behandelt wurde. „Das war kein natürlicher Tod”, sagte Staatsanwalt Thompson.
„Das war Mord.” Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob Renate Dah auch für den Tod ihres Ehemanns angeklagt wird. Die Anklage wegen Mordes wird voraussichtlich in den nächsten Tagen erhoben.
Die Familie B. ist derweil in Sicherheit. Karina B.
, die nach dem Vorfall sofort in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, erholt sich langsam. Die Ärzte bestätigten, dass die Giftstoffe in ihrem Blut nachweisbar waren, aber die Behandlung rechtzeitig begann. „Sie hat großes Glück gehabt”, sagte ihr behandelnder Arzt.
„Noch ein paar Wochen, und wir hätten nichts mehr tun können.”
Die neunjährige Mila, die durch ihre Beobachtung die entscheidende Rolle spielte, wird psychologisch betreut. „Sie ist ein sehr tapferes Mädchen”, sagte ihr Vater in einem kurzen Statement vor seinem Haus, sichtlich gezeichnet von den Ereignissen. „Sie hat ihre Mutter gerettet, ohne es zu wissen.”
Die Familie bittet um Ruhe und Privatsphäre, während sie versucht, das Erlebte zu verarbeiten.
Renate Dah sitzt derweil in Untersuchungshaft. Sie schweigt zu den Vorwürfen. Ihr Anwalt kündigte an, er werde „die Vorwürfe prüfen und sich zu gegebener Zeit äußern”.
Die Ermittler gehen davon aus, dass weitere Beweise, darunter Videoaufnahmen und Laborberichte, die Anklage stützen werden. Der Prozess wird voraussichtlich in den kommenden Monaten beginnen.
Der Fall hat in der Region Philadelphia Entsetzen ausgelöst. „Man fragt sich, wie gut man seine Nachbarn wirklich kennt”, sagte eine Anwohnerin, die anonym bleiben wollte. „Diese Frau hat über Monate hinweg ein Doppelleben geführt – freundlich nach außen, mörderisch im Inneren.”
Die Polizei appelliert an alle, die ähnliche Beobachtungen gemacht haben, sich zu melden. „Wir nehmen jeden Hinweis ernst”, sagte ein Sprecher.
Für Leon B. , der das Haus, in dem er zwölf Jahre lang geschwitzt und gebaut hat, nun mit neuen Augen sieht, ist eines klar: „Ich habe meine Familie verloren und wiedergefunden in einer Woche. Das Haus kann ich neu streichen, aber das Vertrauen, das wird dauern.”
Er kündigte an, die Überwachungskameras, die er heimlich installiert hatte, vorerst zu behalten. „Man weiß nie, was hinter der nächsten Ecke lauert.”


