Kapitel 16 | Der Weg nach Osten – Das Tagebuch des Martin Adler | Hörbuch

Kapitel 16 | Der Weg nach Osten - Das Tagebuch des Martin Adler | Hörbuch

Der November jenes Jahres brachte den ersten Frost und mit ihm eine Nachricht, die sich wie ein kalter Schatten über die gesamte Ostfront legte. Es war nicht die klare, offene Mitteilung einer Niederlage, sondern ein zähes, quälendes Sickern von Gerüchten, das die Männer in den Unterständen am Don erreichte. Die Wahrheit über das, was bei Stalingrad geschah, wurde uns verschwiegen, solange es ging, und wir mussten sie uns zusammensetzen aus den Bruchstücken, die die Versprengten erzählten, aus den halben Andeutungen der Verwundeten und aus dem, was zwischen den Zeilen der Befehle und der Wehrmachtsberichte stand. Dieses langsame Dämmern der Wahrheit war fast schlimmer als ein offener Schlag, denn die Ungewissheit, die wachsende dunkle Ahnung von etwas Furchtbarem, zermürbte uns bis ins Mark.

Es begann damit, dass die Nachrichten aus Stalingrad, das ohnehin nahe lag und über das wir stets etwas gehört hatten, plötzlich anders klangen. Gedrückter, beunruhigter, als ob die Stimme des Krieges selbst heiser geworden wäre. Von schweren Kämpfen war die Rede, von einem mörderischen Ringen um jedes Haus, jede Straße, jede Fabrik. Wir, die wir den Häuserkampf von Smolensk kannten, schauderten bei dem Gedanken, was es bedeuten musste, eine ganze große Stadt auf solche Weise zu erobern. Haus um Haus, Keller um Keller, in einem Kampf, der kein Ende nahm und der unsere Truppen verschlang wie ein Malstrom. Die Gerüchte verdichteten sich von Tag zu Tag, wurden konkreter und furchtbarer. Es hieß, der Feind habe die Flanken durchstoßen, sei tief in unseren Rücken eingedrungen, habe die Zangen geschlossen.

In diesen Zangen, in diesem Kessel, sei eine ganze deutsche Armee gefangen, die sechste Armee, die in Stalingrad gekämpft hatte. Eingeschlossen, abgeschnitten, umzingelt von übermächtigen feindlichen Kräften. Als diese Nachricht zu uns drang, begriffen wir nicht sogleich ihre ganze Tragweite, denn es schien unfassbar, undenkbar, dass eine ganze deutsche Armee eingekesselt sein sollte. Dass uns geschah, was wir so oft dem Feinde angetan hatten. Ich erinnere mich an die Gespräche jener Tage, an die gedämpften, sorgenvollen Worte, mit denen wir uns über die Gerüchte austauschten. An die Hoffnung, die wir uns gegenseitig zusprachen, dass es nicht so schlimm sein werde, dass die Armee ausbrechen werde, dass man sie entsetzen werde. Und an die wachsende dumpfe Furcht, die unter dieser Hoffnung lauerte, die Furcht, dass das Undenkbare geschehen sei, dass eine Katastrophe sich anbahne, deren Ausmaß wir nicht zu ermessen vermochten.

Otto, der stets zur Hoffnung neigte, klammerte sich an den Gedanken, dass die Eingekesselten gerettet würden, dass das deutsche Heer sie nicht im Stich lassen werde. Ich wollte ihm glauben, wollte hoffen, wie er. Doch in mir saß eine kalte, dunkle Gewissheit, genährt von dem, was ich in den Kesselschlachten des Sommers gesehen hatte. Von dem Wissen, wie es den Eingekesselten erging, von den Massen der Toten, die ich gesehen hatte. Ich dachte mit Grauen daran, dass nun unsere eigenen Kameraden in einem solchen Kessel gefangen waren, Hunderttausende vielleicht, und dass ihnen dasselbe Schicksal drohte, das wir so vielen feindlichen Soldaten bereitet hatten. Dieser Gedanke, diese furchtbare Symmetrie des Schicksals, erfüllte mich mit einem Schauder, der tiefer ging als alle Furcht um mein eigenes Leben.

Mit der Zeit, in den Wochen des Dezembers und des Januars, verdichteten sich die Gerüchte zur grausamen Gewissheit. Wir erfuhren Stück um Stück von dem Schicksal der eingeschlossenen Armee in Stalingrad. Was wir erfuhren, übertraf an Schrecken alles, was unsere bangsten Ahnungen uns vorgemalt hatten. Die eingekesselten Hunderttausende von Männern waren abgeschnitten von allem Nachschub, eingeschlossen in den Trümmern der zerstörten Stadt und in der eisigen Steppe ringsum. Sie litten Hunger und Kälte und kämpften einen aussichtslosen Kampf gegen einen übermächtigen Feind und gegen den mörderischen Winter. Sie verhungerten und erfroren und starben zu Tausenden Tag um Tag in einem Sterben von solchem Ausmaß, dass es jede Vorstellung sprengte.

Wir hörten von Versuchen, den Kessel zu entsetzen, von Panzerverbänden, die vorstießen, um die Eingeschlossenen zu befreien, und wir schöpften Hoffnung bei dieser Nachricht. Doch dann hörten wir, dass diese Entsatzversuche gescheitert waren, dass die Panzer nicht durchgekommen waren, dass der Ring fest geschlossen blieb. Mit dieser Nachricht erlosch die Hoffnung, und an ihre Stelle trat die dumpfe Gewissheit des Untergangs. Wir hörten von Versuchen, die Eingeschlossenen aus der Luft zu versorgen, von Flugzeugen, die Lebensmittel und Munition in den Kessel brachten. Doch es war viel zu wenig, ein Tropfen auf den heißen Stein, und die Männer hungerten weiter. Das Wenige, das ankam, reichte nicht, um eine ganze Armee am Leben zu halten.

Die Berichte, die zu uns drangen, von den Versprengten, von den wenigen Verwundeten, die noch ausgeflogen worden waren, ehe der Kessel sich endgültig schloss, zeichneten ein Bild des Grauens, das mich bis heute verfolgt. Ein Bild von Männern, die zu Skeletten abgemagert waren, die in den Kellern der zerstörten Stadt hausten, in Höhlen und Erdlöchern. Sie hatten ihre Pferde geschlachtet und gegessen und dann nichts mehr gehabt. Sie erfroren in den eisigen Stellungen, starben an Hunger und Krankheit, während das russische Feuer über sie hinwegfegte. Und dennoch kämpften sie weiter, weil man ihnen befohlen hatte zu kämpfen, weil man ihnen verboten hatte auszubrechen, solange noch eine Chance gewesen wäre. Nun, da keine Chance mehr war, wurden sie in einem sinnlosen, hoffnungslosen Kampf dahingeopfert.

Ich dachte daran, dass unter diesen Hunderttausenden, die dort starben, gewiss Männer waren, die ich gekannt hatte. Kameraden aus der Ausbildung, aus früheren Einheiten, vielleicht jener verstümmelte Kamerad aus dem Lazarett, falls er wieder genesen und zurückgeschickt worden war. Der Gedanke an all diese Menschen, die dort in Stalingrad einem so furchtbaren Tod entgegengingen, war eine Last, die schwer auf mir lag. Es war Feldwebel Weiß, der eines Abends, als wir in unserem Unterstand beisammen saßen und über die Nachrichten sprachen, das aussprach, was wir alle dachten und doch nicht zu denken wagten. Mit ruhiger, schwerer Stimme sagte er, dass Stalingrad das Ende sei, der Wendepunkt.

Nach Stalingrad werde nichts mehr sein wie zuvor. Das deutsche Heer habe dort einen Schlag erlitten, von dem es sich nicht mehr erholen werde. Von nun an beginne der lange Rückzug, der Weg zurück, der Weg in die Niederlage. Seine Worte fielen wie schwere Steine in das Schweigen, das ihnen folgte. Denn niemand widersprach, niemand konnte widersprechen, weil ein jeder von uns in seinem Innersten wusste, dass Weiß recht hatte. In jenem Schweigen, in jenem Unterstand am Don, in dem wir saßen, eine Handvoll Männer im Schein einer Kerze, während draußen der Winter wütete und fern im Osten eine ganze Armee zugrunde ging, in jenem Augenblick begriff ich mit einer Endgültigkeit, die mir den Atem nahm, dass der Krieg verloren war.

All das Leiden, all das Sterben, all die Hoffnungen waren umsonst gewesen. Wir befanden uns auf einem Weg, der nur in den Abgrund führen konnte. Die einzige Frage, die noch blieb, war die, ob ich, ob Otto, ob Fritz, ob irgendeiner von uns das Ende dieses Weges lebend erreichen würde oder ob wir alle dahingerafft würden auf dem langen, dunklen Rückweg, der nun vor uns lag. Als Stalingrad endlich fiel, als die letzten Reste der eingeschlossenen Armee sich ergaben im Februar jenes Jahres, da ging ein Schock durch die ganze Front, durch das ganze Heer, ja, wie ich später erfuhr, durch das ganze Land. Ein Schock, dessen Tiefe und Wucht kaum zu beschreiben vermag.

Es war nicht nur die militärische Niederlage, die uns erschütterte, so schwer sie auch wog. Es war der Zusammenbruch eines Glaubens, der Einsturz eines Weltbildes. Bis dahin hatten viele von uns, trotz allem, trotz des Rückzugs vor Moskau, trotz aller Zweifel, im Grunde noch geglaubt an die Unbesiegbarkeit des deutschen Heeres, an einen letztlichen Sieg. Dieser Glaube zerbrach mit Stalingrad, zerbrach so vollständig und unwiderruflich, dass nichts mehr blieb, woran man sich hätte festhalten können. Ich erinnere mich an die Tage nach der Nachricht vom Fall Stalingrads, an die gedrückte, lähmende Stimmung, die über uns lag, an die Stille, in der die Männer ihren Gedanken nachhingen.

Es gab wenig zu sagen. Alles Sagbare war gesagt, und ein jeder rang für sich mit der furchtbaren Wahrheit, dass eine ganze Armee untergegangen war, dass Hunderttausende tot oder in Gefangenschaft waren. Einer Gefangenschaft, von der wir ahnten, dass nur wenige sie überleben würden. Der Schock von Stalingrad wirkte verschieden auf die verschiedenen Männer. Ich beobachtete in jenen Tagen, wie unterschiedlich die Menschen auf eine solche Erschütterung reagieren. Manche verfielen in eine dumpfe Apathie, eine Gleichgültigkeit, die alles um sich her nicht mehr wahrzunehmen schien. Andere wurden reizbar, jähzornig, suchten Streit um Nichtigkeiten.

Wieder andere klammerten sich verzweifelt an einen letzten Rest von Hoffnung, redeten sich ein, dass es nicht das Ende sei, dass eine Wende noch kommen werde, eine neue Waffe, ein neuer Sieg. Und manche, die Frömmsten unter uns, suchten Trost im Gebet, in der Religion, im Glauben an einen Sinn jenseits dieser irdischen Katastrophe. Der junge Fritz traf der Schock besonders hart. Er war noch jung genug gewesen, um an den Sieg geglaubt zu haben, mit jenem unbedingten Glauben der Jugend. Nun, da dieser Glaube zerbrach, da brach auch etwas in ihm. Ich sah, wie er in eine düstere Schwermut versank, wie er still und in sich gekehrt wurde, wie er nachts wach lag und vor sich hin starrte.

Ich sorgte mich um ihn, denn ich kannte diese Schwermut, die einen Menschen verschlingen kann. Ich versuchte ihm beizustehen, ihn aufzurichten, doch ich fand kaum Worte, denn welchen Trost konnte ich ihm bieten, da ich selbst keinen Trost wusste, da auch in mir alle Gewissheiten zerbrochen waren. Otto hingegen, der treue, hoffnungsvolle Otto, fand seinen Halt, wie er ihn stets gefunden hatte, in der Liebe zu seiner Anna, in dem Gedanken an die Heimat, an die Zukunft, die er sich erträumte. Er sagte mir in jenen Tagen, dass er nicht an den Sieg oder die Niederlage denke, dass ihm das gleichgültig geworden sei. Er denke nur noch an das eine, lebend heimzukommen, zu Anna zurückzukehren.

Dies sei sein einziges Ziel, sein einziger Glaube. Ich begriff, dass dies eine Weisheit war. Vielleicht die einzige Weisheit, die uns blieb in jenen Tagen des Zusammenbruchs. Dass man aufhören musste, an die großen Dinge zu glauben, an den Sieg, an das Vaterland, an all die hohen Worte, mit denen man uns in den Krieg geschickt hatte. Und sich an das Kleine, das Wahre, das Menschliche halten musste, an die Liebe, an die Heimat, an den Wunsch zu überleben und zu denen zurückzukehren, die uns liebten. So wandelte sich in jenen Tagen nach Stalingrad etwas in uns allen. Ein letzter Rest von Glauben an die Sache, für die wir kämpften, erlosch.

An seine Stelle trat ein nüchterner, dunkler Überlebenswille, ein bloßes Durchhalten, ein Streben, lebend aus diesem Krieg herauszukommen. Der Krieg, das wussten wir alle, war verloren. Und doch war er noch lange nicht zu Ende. Er würde uns noch viele weitere Jahre des Leidens abverlangen, ehe er sein furchtbares Ende fände. In den Wochen nach Stalingrad, in der dumpfen, gedrückten Stimmung, die über uns lag, begannen die Zweifel, die ich so lange in mir getragen und unterdrückt hatte, mit aller Macht hervorzubrechen. Ich rang in jenen Tagen mit Fragen, die ich mir bis dahin nicht zu stellen gewagt hatte. Fragen nach dem Sinn dieses Krieges, nach dem Recht unserer Sache, nach der Schuld, die wir auf uns geladen hatten.

Diese Fragen quälten mich des Nachts, wenn ich wach lag in der Kälte und in der Dunkelheit. Ich fand keine Antworten, die mich beruhigt hätten, sondern nur immer neue, immer beunruhigendere Fragen. Ich dachte zurück an alles, was ich gesehen und erlebt hatte, an die brennenden Dörfer, an die endlosen Kolonnen der Gefangenen, an die alte Frau am Ofen, an die Bäuerin mit ihren Kindern, an den singenden Russen am anderen Ufer, an die Mutter mit ihrem neugeborenen Kind im Lazarett. Ich begriff mit wachsender Klarheit, dass wir Unrecht getan hatten. Wir waren in ein fremdes Land eingefallen, das uns nichts getan hatte.

Wir hatten Tod und Verwüstung über Menschen gebracht, die leben und lieben und in Frieden ihre Felder bestellen wollten, wie wir. All das Reden vom Recht unserer Sache, von der Notwendigkeit dieses Krieges, war eine Lüge gewesen, eine furchtbare Lüge, mit der man uns betrogen hatte. Doch mit dieser Erkenntnis kam eine furchtbare Qual. Denn wenn unsere Sache Unrecht war, wenn wir in einen Krieg des Unrechts gezogen waren, was bedeutete das dann für mich, für das, was ich getan hatte, für die Männer, die ich getötet hatte, für die Schuld, die ich auf mich geladen hatte? Ich rang mit dieser Frage und fand keine Erlösung. Ich konnte das Geschehene nicht ungeschehen machen, konnte die Toten nicht wieder lebendig machen.

Ich begriff, dass ich diese Schuld tragen würde für den Rest meines Lebens, ob ich nun gewollt hatte oder nicht, ob ich nun aus Zwang gehandelt hatte oder aus eigenem Antrieb. Das Blut, das ich vergossen hatte, klebte an mir und war nicht abzuwaschen. Ich sprach von diesen Zweifeln vorsichtig, andeutungsweise mit Otto und mit Lindner, den beiden, denen ich am meisten vertraute. Ich fand, dass auch sie mit ähnlichen Fragen rangen, dass auch in ihnen die Zweifel gewachsen waren. Es tröstete mich ein wenig zu wissen, dass ich nicht allein war mit meinen Qualen. Doch eine Antwort, eine Erlösung fand auch in diesen Gesprächen keiner von uns.

Lindner, der gläubige Lindner, sagte mir in einem dieser Gespräche etwas, das mir Halt gab in jenen dunklen Tagen. Er sagte, dass die Schuld zwar real sei und nicht zu leugnen, dass wir aber unterscheiden müssten zwischen der Schuld derer, die diesen Krieg gewollt und entfesselt hätten, und der Schuld der einfachen Soldaten, die hineingezwungen worden seien, ohne gefragt zu werden. Unsere Aufgabe bestehe nun nicht darin, in der Schuld zu versinken, in der Verzweiflung, sondern darin, das Wenige an Gutem zu tun, das uns noch möglich sei. Dem Leben zu dienen, wo wir könnten, dem Leiden beizustehen, die Menschlichkeit zu bewahren in der Unmenschlichkeit.

Wenn wir dies täten, vielleicht könnten wir einen Teil der Schuld abtragen, nicht durch große Taten, sondern durch die kleinen alltäglichen Taten der Güte und des Erbarmens. Diese Worte Lindners wurden mir zu einer Art Richtschnur in der Zeit, die folgte. Sie gaben mir einen Sinn, einen Halt, eine Aufgabe in all dem Sinnlosen. Ich nahm mir vor, von nun an, soweit es in meiner Macht stand, nicht mehr Tod zu bringen, als ich musste, und so viel Leben zu bewahren, wie ich konnte. Über die Kameraden zu wachen, über Otto und Fritz und die anderen, und ihnen beizustehen. Vielleicht, so hoffte ich, würde mir das ein wenig von der Last nehmen, die auf meiner Seele lag.

Vielleicht würde es mir helfen, als Mensch durch diesen Krieg zu kommen. Als ein Mensch, der trotz allem nicht ganz seine Seele verloren hatte. Februar 1943. Stalingrad ist gefallen. Eine ganze Armee, Hunderttausende, tot oder in Gefangenschaft. Ich kann es noch immer kaum fassen. Es ist nicht nur eine Niederlage, es ist der Einsturz von allem, woran man glauben konnte. Weiß sagt, das ist der Wendepunkt. Von jetzt an geht es zurück. Niemand widerspricht ihm. Wir wissen alle, dass er recht hat. Der Krieg ist verloren. Es bleibt nur noch die Frage, wer von uns das Ende lebend erreicht. Fritz hat der Schock hart getroffen.

Er hat an den Sieg geglaubt mit dem Glauben der Jugend. Jetzt ist der Glaube zerbrochen, und etwas in ihm ist mitzerbrochen. Er versinkt in Schwermut. Ich versuche ihm beizustehen, aber ich finde kaum Worte, denn ich weiß selbst keinen Trost. Die Zweifel, die ich so lange unterdrückt habe, brechen jetzt hervor. Ich weiß es nun. Wir haben Unrecht getan. Wir sind in ein fremdes Land eingefallen, das uns nichts tat. All das Reden vom Recht unserer Sache war eine Lüge, und ich trage Schuld. Das Blut klebt an mir. Ich kann es nicht abwaschen. Aber Lindner hat mir etwas gesagt, das mir Halt gibt. Wir sollen nicht in der Schuld versinken, sondern das Wenige an Gutem tun, das uns bleibt.

Dem Leben dienen, die Menschlichkeit bewahren. Vielleicht kann ich so einen Teil abtragen. Ich nehme es mir vor, nicht mehr Tod zu bringen, als ich muss. So viel Leben bewahren, wie ich kann. Über die Kameraden wachen. Vielleicht komme ich so als Mensch durch diesen Krieg. Gott, hilf mir dabei.