5 Ehen, 1 Nervenzusammenbruch, 1 Bond-Rolle: Curd Jürgens’ zerstörerisches Geheimnis

5 Ehen, 1 Nervenzusammenbruch, 1 Bond-Rolle: Curd Jürgens' zerstörerisches Geheimnis

Es ist ein Geständnis, das wie ein Nachhall aus einer anderen Epoche wirkt, ein Satz, der die glänzende Fassade einer Legende endgültig zerbersten lässt. „Ich habe meine Seele verkauft, nicht an den Teufel, sondern an das Rampenlicht”, bekannte Curd Jürgens kurz vor seinem Tod im Jahr 1982. Der Mann mit der donnernden Stimme, der aristokratischen Aura und dem Ruf als unerschütterlicher Lebemann offenbarte damit eine Wahrheit, die er jahrzehntelang hinter Champagnergläsern und Filmpremieren verborgen hatte.

Nun, da die Filmwelt auf sein Erbe zurückblickt, wird das Ausmaß der Zerrissenheit deutlich, die den ersten deutschsprachigen James-Bond-Bösewicht bis in seine letzten Tage verfolgte.

Die Nachricht von seinem Tod am 18. Juni 1982 in Wien schockierte die Welt. Doch die Enthüllungen über sein zerstörerisches Innenleben, die nun durch alte Interviews und die Berichte enger Vertrauter ans Licht kommen, zeichnen das Bild eines Mannes, der trotz seiner über 160 Filme und seiner weltweiten Bewunderung zeitlebens ein Fremder für sich selbst blieb.

Der Glamour, die roten Teppiche, der Applaus – all das war nur die eine Seite einer Medaille, deren andere Seite von Alkoholsucht, gescheiterten Affären, einer heimlichen psychiatrischen Behandlung und einem dunklen Schatten aus der Vergangenheit geprägt war. Einem Schatten, der sein Leben wie ein unsichtbarer Regisseur steuerte.

Die Karriere des 1915 in München geborenen Schauspielers war ein kometenhafter Aufstieg, der im krassen Gegensatz zu seinem privaten Niedergang stand. Nachdem er in den 1930er Jahren von mehreren Schauspielschulen abgelehnt worden war, kämpfte er sich mit Besessenheit nach oben. Der Durchbruch gelang ihm in den 1950er Jahren mit Filmen wie „Des Teufels General”, die ihn zum moralischen Sprachrohr einer jungen Bundesrepublik machten, die sich mit ihrer NS-Vergangenheit auseinandersetzen musste.

In Frankreich wurde er als „preußischer Liebhaber” gefeiert, in Hollywood als „aristokratischer Teufel” umworben. Doch während die Leinwand ihn als Titanen zeigte, bröckelte sein Privatleben.

Die Ehen mit Judith Holzmeister, Eva Bartok und anderen waren ein Pulverfass aus Konkurrenz, Eifersucht und Gewalt. Freunde berichten von Schreiduellen in Hotelzimmern und Tränen hinter verschlossenen Türen, von einem Mann, der zur Nähe unfähig war und die Bühne, den Rausch und die Bewunderung brauchte, um seine innere Leere zu füllen. Der schwere Reitunfall im Jahr 1955, der ihn fast querschnittsgelähmt zurückließ, wurde zum Wendepunkt.

Während seiner Genesung lernte er Englisch und plante seine internationale Karriere mit eiserner Disziplin, doch die physische Heilung ging nicht mit einer psychischen einher. Die Wunden, die er sich selbst zufügte, waren tiefer.

Das Jahr 1977 markierte den traurigen Höhepunkt seiner inneren Zerrissenheit. In seiner Rolle als Karl Stromberg, dem wahnsinnigen Utopisten im James-Bond-Film „Der Spion, der mich liebte”, spiegelte er auf bizarre Weise seine eigenen dunkelsten Seiten wider: Einsamkeit, Eitelkeit, Größenwahn und ein tiefes Misstrauen gegen die Menschheit. Ironischerweise wurde er gerade mit dieser Rolle unsterblich.

Jürgens selbst sagte später: „Ich musste mich kaum verstellen.” Es war ein verstörendes Eingeständnis, das die Fassade des Weltmannes durchbrach und den Blick auf einen zutiefst verunsicherten Menschen freigab, der sich in der Kunst verlor, um sich selbst zu finden.

Die Öffentlichkeit erfuhr nie von den massiven psychischen Problemen, mit denen Jürgens über Jahre hinweg kämpfte. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere in den frühen 1960er Jahren begab er sich heimlich in eine psychiatrische Klinik in der Schweiz. Die Diagnose lautete auf depressive Störung, verbunden mit alkoholinduzierten Persönlichkeitsveränderungen.

Seine Assistenten hielten das Thema streng geheim, denn in der Branche, die Helden verlangte, war kein Platz für zerbrochene Seelen. Ein ehemaliger Vertrauter erinnerte sich an einen Mann, der nachts wie ausgewechselt war – laut, zornig, verzweifelt – und tagsüber vor der Kamera stand, als wäre nichts gewesen.

Ein Ereignis in Paris, das in der deutschen Presse nie thematisiert wurde, soll ihn laut späteren Aussagen fast zerstört haben. „Ab diesem Tag war ich nicht mehr derselbe”, bekannte Jürgens in einem seiner letzten Interviews. Die Details dieses Moments bleiben im Dunkeln, doch er scheint der Auslöser für den tiefen Fall gewesen zu sein, der in den 1980er Jahren unaufhaltsam wurde.

Seine Gesundheit war stark angeschlagen, Leber und Herz geschwächt, doch er weigerte sich aufzuhören. „Ich habe Angst vor der Stille”, soll er zu einem Freund gesagt haben. „Wenn keiner mehr klatscht, bin ich tot.”

In seinen letzten Lebensjahren war er ein einsamer Mann in seinem großen Haus in Wien, umgeben von Filmrollen, Briefen von Romy Schneider und leeren Weinflaschen. Besuch kam selten, und die Nächte waren geprägt von Schlaflosigkeit und dem Abspielen seiner eigenen Dialoge. In einem Brief an einen alten Kollegen schrieb er 1981: „Ich höre manchmal meine eigenen Dialoge.

Nachts, wenn alles still ist, und frage mich: War das wirklich?” Diese Zeilen zeigen einen Mann, der sich selbst verloren hatte zwischen den Masken, die er trug, und der Wahrheit, die er nie aussprechen konnte.

Seine letzte Ehefrau, Magie Schmitz, stand an seinem Bett, als er während der Proben zu einem Theaterstück in Wien einen Herzstillstand erlitt. Sie sagte später, er sei „im Frieden” gewesen, zum ersten Mal in seinem Leben. Doch die Frage bleibt, ob es wirklich Frieden war oder nur das Ende eines Kampfes, den er nie gewinnen konnte.

Seine letzte Aufnahme, ein Hörbuch, endet mit dem Satz: „Die Bühne ist leer, das Licht verlöscht, aber mein Schatten bleibt.” Ein Satz, der wie eine Prophezeiung klingt, denn sein Schatten bleibt tatsächlich – nicht nur auf der Leinwand, sondern auch in den Abgründen, die er zu Kunst machte.

Die deutsche Presse schwieg zu Lebzeiten über seine Eskapaden, seine psychischen Probleme und die dunklen Stunden. Aus Respekt, aus Angst oder aus Bewunderung für eine Legende, die man nicht brechen wollte. Doch die Wahrheit, die jetzt ans Licht kommt, wirft ein neues Licht auf den Mann, den man den „deutschen Arol Fin” nannte.

Er war ein Getriebener, der den Applaus brauchte, um die Stille zu überdecken, und der sich auf der Bühne größer machte, weil er sich im echten Leben so klein fühlte. Die fünf Ehen, der Nervenzusammenbruch und die Bond-Rolle sind nur die sichtbaren Stationen einer zerstörerischen Reise, die ihn letztendlich in die Einsamkeit führte.