München – Ein simpler Familienstreit um eine abgelegene Berghütte hat sich in den frühen Morgenstunden zu einem beispiellosen Sicherheitsvorfall entwickelt, der nun das Bundeskriminalamt und die Militärjustiz beschäftigt. Was als geplante Räumungsaktion einer privaten Söldnereinheit begann, endete in einer chaotischen Flucht der Angreifer und der Festnahme eines prominenten Münchner Unternehmers. Der Vorfall wirft ein grelles Licht auf die Schattenwelt der privaten Sicherheitsfirmen und die Existenz von Spezialkräften, die offiziell gar nicht existieren dürfen.
Die Ereignisse überschlugen sich, als eine als „Räumkommando“ gebuchte Einheit der Firma Black Task Security versuchte, eine Frau gewaltsam aus einem Anwesen im bayerischen Voralpenland zu entfernen. Der Auftraggeber, der 34-jährige Tobias Bergfeld aus München, hatte umgerechnet 20. 000 Euro für den Einsatz bezahlt.
Sein Ziel: eine entfernte Verwandte, die sich nach dem Tod des gemeinsamen Großvaters weigerte, das geerbte, aber aus seiner Sicht wertlose Anwesen zu verlassen. Bergfeld, ein selbsternannter Unternehmenshai, der in der Münchner Immobilienbranche als rücksichtsloser Sanierer gilt, sah in der Frau lediglich ein Hindernis für seine Entwicklungspläne.
Doch der Plan des vermeintlichen Auftraggebers basierte auf einer fatalen Fehleinschätzung. Die Frau, die er als arbeitslose und nutzlose Verwandte abtat, ist in Wirklichkeit eine hochdekorierte Scharfschützin der Bundeswehr. Sie gehört einer Einheit an, die in internen Kreisen nur als „Walküre Vorreiterzug“ bezeichnet wird.
Es handelt sich um eine Tier-1-Spezialeinheit, die offiziell nicht auf heimischem Boden operieren darf, aber über einen sogenannten Schattenstatus verfügt. Ihre Einsatzbefugnisse und ihre Sicherheitsfreigabe liegen weit über dem, was für normale Soldaten oder gar Zivilisten vorgesehen ist. Ihr Deckname: Walküre Null.
Die Rettungsaktion der Söldner geriet zu einem Fiasko, als die schweren Eichentüren des Anwesens nicht einfach geöffnet, sondern nach innen explodierten. Die Einsatzkräfte, ausgerüstet mit taktischen Lampen und Sturmgewehren, erwarteten einen verängstigten Hausbesetzer. Stattdessen fanden sie im schwachen Licht eines Kaminfeuers eine Frau in einem Sessel vor, die scheinbar gelassen ein Interventionsgewehr vom Typ M200 über ihren Knien hielt.
Der Anführer der Söldner, in der Halbwelt nur als „Viper“ bekannt, erkannte sofort das Abzeichen auf ihrer taktischen Jacke: einen geflügelten Totenkopf mit Heiligenschein. Das Erkennungszeichen der Einheit, vor der selbst gestandene Kriegsveteranen gewarnt werden.
Die Reaktion des Söldnerführers war kein Zögern, sondern pure Panik. Er brüllte einen Code, der in der Branche als Abbruchsignal für Selbstmordmissionen gilt. Seine Männer, die noch Sekunden zuvor als disziplinierte Einheit agiert hatten, stolperten rückwärts aus dem Gebäude.
Sie ließen ihre Ausrüstung zurück und drängten sich gegenseitig durch die Tür, um aus der Schusslinie zu gelangen. Der Anführer selbst schleuderte seinen eigenen Pointman über das Balkongeländer in den Schnee, nur um schneller zu seinem Fahrzeug zu gelangen. Die Flucht war derart überstürzt, dass sie ihren Auftraggeber Tobias Bergfeld einfach am Tatort zurückließen.
Bergfeld, der offenbar glaubte, persönlich den Erfolg der Aktion überwachen zu müssen, wurde wenig später von den fliehenden Söldnern auf der Einfahrt gestoppt. Der Anführer der Einheit, sichtlich außer sich vor Wut über die Falschinformation, packte den Unternehmer und schleuderte ihn gegen die Motorhaube seines eigenen Geländewagens. Der Vorwurf war klar: Bergfeld hatte die Söldner über das wahre Profil der Bewohnerin getäuscht.
Er hatte ihnen gesagt, es handele sich um eine schutzlose Frau, die eine Bruchbude besetzt halte. Stattdessen hatten sie es mit einer der gefährlichsten Scharfschützinnen Europas zu tun, einer Frau, die in Einsatzberichten aus Kabul und Osteuropa eine Legende ist.
Die Frau, die sich als Eva Reinhard herausstellte, verfolgte das Geschehen von ihrer Veranda aus. Sie hatte die Söldner nicht nur erwartet, sie hatte sie regelrecht hereingelassen. Sie hatte das Sicherheitsschloss entriegelt und sich in ihrem Sessel positioniert, mit einer Tasse Tee in der Hand.
In einem späteren Funkspruch an ihre vorgesetzte Dienststelle soll sie lediglich gemeldet haben: „Feindkräfte im Draht, beantrage Freigabe laut zu werden. “ Die Freigabe wurde von höchster Stelle erteilt. Generaloberst Wolfram Seidel, der Befehlshaber der Spezialeinheiten, soll persönlich das Einsatzprotokoll abgesegnet haben.
Die folgenden Minuten waren weniger ein Gefecht als vielmehr eine einseitige Demonstration von Überlegenheit. Die Söldner, die für sechsstellige Summen in Krisengebieten operieren, wussten genau, dass ein Zusammentreffen mit Walküre Null den sicheren Tod bedeutet hätte. Ihre Flucht war keine Feigheit, sondern eine rationale Entscheidung auf Basis ihrer Ausbildung.
Sie wussten, dass die Frau in ihrem Sessel keine leichte Beute war, sondern eine Falle. Die Ruhe, mit der sie ihr Gewehr reparierte und das metallische Klicken des Verschlusses in der Stille hallte, war lauter als jedes Geschrei.
Für Tobias Bergfeld war dieser Moment der Anfang vom Ende seiner Freiheit. Der Mann, der sich in der Familie als strahlendes Goldkind präsentierte und seine Cousine jahrelang als Versagerin verspottete, stand zitternd im Schnee. Er hatte nicht nur eine Privatarmee auf deutschem Boden eingesetzt, was ein schweres Verbrechen darstellt.
Er hatte auch versucht, eine Person gewaltsam zu entfernen, die unter dem besonderen Schutz des Staates steht. Die Beamten des Bundeskriminalamts, die kurz nach dem Vorfall eintrafen, nahmen ihn noch in derselben Nacht fest.
Die Anklage gegen Bergfeld ist vernichtend. Sie lautet auf Bildung einer terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit illegalem Waffentransfer nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz und dem Außenwirtschaftsgesetz. Die Staatsanwaltschaft wertet den Angriff nicht als Familienstreit, sondern als Angriff auf die innere Sicherheit der Bundesrepublik.
Bergfeld sitzt in einer Justizvollzugsanstalt des Bundes in Untersuchungshaft. Seine Konten wurden eingefroren, sein Anwalt zeigt sich überrascht von der Härte der Maßnahmen.
Die Familie Bergfeld, die noch am Tatort auftauchte und versuchte, den Vorfall als harmlosen Scherz darzustellen, erlebte eine kalte Dusche. Generaloberst Seidel, der persönlich anreiste, machte unmissverständlich klar, dass es sich bei Eva Reinhard um eine Kommandantin mit einem Dienstgrad handelt, der weit über dem liegt, was die Familie sich vorstellen konnte. Er sprach von klassifizierten Einsätzen, von Sicherheitsfreigaben und von einem Schutzstatus, der jeden Angriff auf ihre Person als Angriff auf die Bundeswehr selbst wertet.
Die Familie, die jahrelang glaubte, Eva sei ein schwarzes Schaf, das in der Natur verschwand, um sich selbst zu finden, musste erfahren, dass sie in Wahrheit neun Monate im Jahr in Osteuropa im Einsatz war.
Die Hütte, die Tobias Bergfeld als Bruchbude bezeichnete, ist in Wirklichkeit ein vorgeschobener Gefechtsstand. Sie ist ausgestattet mit Wärmebildgeräten, Satellitenkommunikation und einer Perimetersicherung, die jedem Militärstützpunkt Ehre machen würde. Eva Reinhard nutzte das Anwesen als Rückzugsort nach einem neunmonatigen Deepcover-Einsatz, der ihre Nerven bis zum Zerreißen gespannt hatte.
Sie war nicht hierhergekommen, um Drogen zu kochen, wie ihr Cousin behauptete. Sie war hier, um zu heilen und ihre Gedanken zu ordnen.
Der Vorfall hat nun eine Debatte über den Einsatz privater Militärfirmen auf deutschem Boden ausgelöst. Experten zeigen sich besorgt, dass immer mehr vermögende Privatpersonen auf solche Dienste zurückgreifen, um ihre Interessen durchzusetzen. Die Firma Black Task Security, die den Einsatz ausführte, hat ihren Sitz offiziell im Baltikum und gilt als eine der skrupellosesten Adressen in der Branche.
Sie wirbt mit diskreten Lösungen für unternehmerische Probleme und beschäftigt vor allem ehemalige Soldaten, die aus den Armeen ihrer Heimatländer ausgeschieden sind.
Für Eva Reinhard ist der Vorfall abgeschlossen. Sie hat die Hütte renoviert und nutzt sie nun als inoffizielles Übergangsprogramm für andere Einsatzkräfte, die nach schweren Missionen einen Ort zum Durchatmen brauchen. Sie hat ihre eigene Familie gefunden, eine Gemeinschaft von Kameraden, die ihren Wert kennen und respektieren.
Die leibliche Verwandtschaft, die sie jahrelang gedemütigt hat, hat sie aus ihrem Leben gestrichen. Ein Brief von Tobias Bergfeld aus der Haft, in dem er um eine Charakterreferenz bittet, um seine Strafe zu mildern, landete ungelesen im Kaminfeuer.
Der Fall zeigt auf drastische Weise, wie gefährlich es ist, Menschen nach ihrem Äußeren zu beurteilen. Tobias Bergfeld sah in seiner Cousine eine schwache Frau, die man mit Geld und Gewalt einschüchtern kann. Er übersah, dass wahre Stärke nicht in Lautstärke oder Kontostand liegt, sondern in der Fähigkeit, in einer Krise ruhig zu bleiben.
Eva Reinhard hat diese Lektion ihr Leben lang gelernt. Sie saß in ihrem Sessel, als die Tür explodierte, und wusste, dass sie die Einzige im Raum war, die wieder hinausgehen würde. Die Söldner wussten das auch.
Und jetzt weiß es auch ihr Cousin.


