**Das ungelöste Rätsel von Nell Cropsey: Wurde die schöne 19-Jährige von ihrem Freund ermordet – oder starb sie durch eine andere Hand?**
In der idyllischen Kleinstadt Elizabeth City im Norden North Carolinas verschwand am 20. November 1901 die 19-jährige Ella Maud „Nell“ Cropsey spurlos. Die Tochter einer angesehenen Familie aus New York war charmant, lebendig und beliebt. Nur wenige Stunden zuvor hatte sie noch mit ihrer Familie und Freunden im Wohnzimmer am Kamin gesessen. Unter den Gästen war auch ihr Freund Jim Wilcox, mit dem sie seit über drei Jahren ein schwieriges Verhältnis führte. Gegen 23 Uhr bat Wilcox Nell, ihn zur Tür zu begleiten. Was danach geschah, blieb für immer im Dunkeln.

Jim Wilcox gab später an, er habe Nell weinend auf der Veranda zurückgelassen und sei nach Hause gegangen. Eine halbe Stunde später verließ auch der Verehrer ihrer Schwester Olive, Roy Crawford, das Haus. Niemand bemerkte etwas Ungewöhnliches. Erst Stunden später fiel der Familie auf, dass Nell nicht in ihrem Bett lag. Die Haustür stand offen, hinter ihr lag Wilcox’ Regenschirm – ein rätselhaftes Detail, das bis heute Fragen aufwirft. Eine groß angelegte Suche begann. Hunde, Freiwillige und sogar ein gemietetes U-Boot durchkämmten Fluss, Wälder und Sümpfe. Doch von Nell fehlte jede Spur.
Fünf Wochen später, am 27. Dezember 1901, entdeckten Fischer ihre Leiche im Pasquotank River, nur etwa 150 Meter vom Elternhaus entfernt. Die Autopsie ergab einen heftigen Schlag auf die linke Schläfe, wahrscheinlich mit einem gepolsterten Gegenstand. Kein Wasser in der Lunge – Nell war bereits tot, als sie ins Wasser gelangte. Die junge Frau war noch Jungfrau, im Magen fanden sich Reste einer Mahlzeit. Für die aufgebrachte Bevölkerung stand der Täter schnell fest: Jim Wilcox, der letzte, der sie lebend gesehen hatte.
Wilcox wurde verhaftet und zweimal vor Gericht gestellt. 1902 zunächst zum Tode verurteilt, später zu 30 Jahren Haft. Die Beweise waren rein indiziell: widersprüchliche Zeitangaben, sein verschlossenes Wesen und die öffentliche Wut. Wilcox beteuerte stets seine Unschuld, schwieg aber größtenteils. 1918 wurde er nach 15 Jahren begnadigt – der Gouverneur war von seiner Unschuld überzeugt. Gebrochen kehrte er nach Elizabeth City zurück, lebte als Einsiedler und nahm sich 1934 das Leben.
Bis heute ranken sich Gerüchte um den Fall. Zwei anonyme Briefe tauchten auf: Einer markierte exakt die Fundstelle der Leiche, ein zweiter deutete auf Roy Crawford als möglichen Täter. Crawford, der kaum befragt wurde, erschoss sich 1908. War er eifersüchtig? Gab es einen Landstreicher oder einen anderen Verehrer? Nells Vater William Cropsey blieb bei seiner Überzeugung, dass Wilcox schuldig sei. Die Familie zerbrach: Geschwister nahmen sich das Leben oder starben früh, Olive zog sich völlig zurück.
Das Haus der Cropseys am Pasquotank River, heute als „Nell Cropsey House“ bekannt, gilt als Spukhaus. Bewohner berichten von Türen, die sich selbst öffnen, kalten Luftzügen und einer traurigen Gestalt in alter Kleidung – Nell, die keine Ruhe findet. Der Fall bleibt eines der großen ungelösten Mysterien North Carolinas. War Jim Wilcox ein unschuldiges Opfer öffentlicher Hysterie? Oder starb Nell durch eine andere, bis heute unbekannte Hand?
124 Jahre später sucht ihr Geist weiter nach Gerechtigkeit. Eine Geschichte von Liebe, Eifersucht und einem kleinen Ort, der ein dunkles Geheimnis nie preisgab. (ca. 510 Wörter)


