Der erste Anruf kam an einem Dienstagabend im März 2006. Der Zug war noch nie angekommen. Ich saß in der Wohnung, das Handy lag auf dem Tisch, und als es klingelte, wusste ich es, bevor ich abhob. Er bat mich, sofort in die Klinik nach Heidelberg zu kommen.

Ich wusste es, bevor er den Satz zu Ende gesprochen hatte. Solche Räume benutzen sie nur für die schlimmsten Nachrichten. Sie sah aus, als würde sie schlafen, als hätte sie sich nur kurz hingelegt. Ich hielt ihre Hand, und sie war noch warm.
Ich habe alles wie unter Wasser getan. Im Krankenhaus konnte man sich noch einreden, es sei ein Fehler. Aber als ich hörte, wie der Sarg in die Erde gelassen wurde, war es vorbei. Hedwig warf einen Brief hinein, den sie in der Nacht geschrieben hatte.
Nachdem alle gegangen waren, blieb ich. Ich erzählte ihr von meiner Woche, kleine Dinge, die ich niemandem sonst erzählen konnte. Das konnte ich nicht. Die Nummer war längst abgeschaltet, aber ich zahlte trotzdem zwanzig Euro im Monat für meinen Vertrag, nur damit ich sie nicht aus der Kurzwahl verlor.
Die Leute, die es wussten, sagten: Geh zur Therapie, du musst loslassen, du musst weitermachen. Ich konnte nicht. Ich rief ihre Mailbox an. Immer dieselbe Ansage: „Sie erreichen Marlis Kellner.
Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem Signalton. “ Ich hinterließ keine. Ich konnte nicht. Was, wenn es ein Fehler war?
Was, wenn ich abhebe und nur Stille höre? Totenstille, dann Atem. Ich rief an einem Dienstag an, am selben Datum, ein Jahr später. Es war früh am Morgen, aber ich musste es tun.
„Sie erreichen Marlis Kellner. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem Signalton. “
Kein Name. Keine Erinnerung.
Nur Stille. Ich wollte auflegen, aber meine Finger drückten die Taste nicht. „Papa? “
Ein Wort.
Nicht die Ansage. Eine Stimme. „Papa, bist du es? “
Ich konnte nicht antworten.
Meine Kehle war wie zugeschnürt. Ich atmete ein, aber es kam kein Ton heraus. „Papa, ich weiß, dass du es bist. Ich hab dich erkannt.
“
„Ich … wer ist da? “
Stille. Dann ein leises Lachen, halb Schluchzen, halb Lachen. „Ich bin’s.
Ich bin es wirklich. Ich weiß, das klingt verrückt. “
„Marlis? Das kann nicht sein.
Marlis ist tot. “
„Ich weiß. Ich weiß, dass ich tot bin. Aber ich bin auch hier.
“
Die Leitung rauschte. Ich hielt das Telefon so fest, dass meine Finger weiß wurden. „Wo bist du? “, fragte ich.
„Ich weiß es nicht genau. Es ist dunkel. Ich kann nichts sehen. “
„Wie rufst du mich an?
“
„Ich habe deine Nummer gewählt. Ich wusste sie noch. Ich wusste, dass du rangehen würdest. “
„Marlis, das ergibt keinen Sinn.
“
„Ich weiß. Aber ich bin hier. Und ich kann nicht auflegen. “
„Leg nicht auf“, sagte ich.
„Bitte leg nicht auf. “
„Ich will nicht. “
„Wo bist du? Ist jemand bei dir?
“
„Nein. Ich bin allein. Es ist kalt. “
„Bleib dran.
Ich finde dich. “
„Papa? “
„Ja? “
„Ich habe Angst.
“
Ich schloss die Augen. „Ich auch. Aber wir schaffen das. Wir haben das schon immer geschafft.
“
Stille. Dann: „Ich glaube, ich muss jetzt auflegen. “
„Nein, warte. “
„Es tut mir leid.
Es tut mir so leid. “
„Wofür? “
„Dass ich nicht mehr da bin. Dass ich dich allein gelassen habe.
“
„Du hast mich nicht allein gelassen. Du bist nicht gegangen. Du warst nicht schuld. “
„Ich muss jetzt auflegen.
“
„Marlis, warte –“
Klicken. Die Leitung war tot. Ich rief sofort zurück. Zwölf Mal.
Immer dieselbe Ansage: „Die Nummer ist nicht vergeben. “ Aber ich hatte sie gerade noch angerufen. Es ergab keinen Sinn. Ich blieb die ganze Nacht wach.
Ich rief immer wieder an, aber nichts. Am nächsten Morgen fuhr ich zum Friedhof. Das Grab war unverändert. Kein Traum, keine Halluzination.
Nichts. Ich duschte nicht, weil ich Angst hatte, einen Anruf zu verpassen. Drei Tage lang nichts. Dann, am Freitag, klingelte es.
„Papa. “
„Marlis, wo bist du? “
„Ich weiß es jetzt. Ich bin in einem Haus.
Es ist groß. Es gibt viele Zimmer. “
„Wie heißt die Straße? “
„Ich kenne sie nicht.
Aber ich sehe einen Turm vom Fenster aus. “
„Einen Turm? “
„Ja, mit einer Uhr. “
„Marlis, das ist die Kirche in unserer Stadt.
Du bist hier. “
„Ich weiß nicht. Es könnte sein. “
„Bleib im Haus.
Ich komme. “
„Papa? “
„Ja? “
„Ich bin nicht allein.
Jemand spricht mit mir. “
„Wer? “
„Ich weiß es nicht. Er sagt, er ist mein Vater.
“
Die Worte trafen mich wie ein Schlag. „Was? Wer sagt das? “
„Er sagt, ich soll nicht mit dir reden.
Er sagt, du bist nicht mein Vater. “
„Das ist nicht wahr. Ich bin dein Vater. “
„Er sagt, ich soll dir nicht glauben.
“
„Marlis, hör mir zu. Er lügt. Du musst mir vertrauen. “
Stille.
Dann: „Ich weiß nicht, wem ich glauben soll. “
„Mir. Bitte. Ich bin dein Vater.
“
„Ich muss jetzt gehen. Er kommt. “
„Marlis –“
Klicken. Ich stand auf und lief durch die Wohnung.
Meine Hände zitterten. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich rief Hedwig an. Sie war meine Schwester, aber sie lebte weit weg.
Sie hatte Marlis nie gekannt. Sie hatte sie nie gesehen. „Hedwig, ich weiß, das klingt verrückt, aber ich habe sie gehört. “
„Wen?
“
„Marlis. Sie hat mich angerufen. “
Langes Schweigen. „Du musst zum Arzt“, sagte sie schließlich sanft.
„Das ist nicht gut für dich. “
„Ich weiß, was ich gehört habe. “
„Das ist nicht möglich. Du weißt das.
“
„Ich weiß, was ich gehört habe. “
„Bitte. Such dir Hilfe. Für mich.
“
Ich legte auf. Sie glaubte mir nicht. Niemand glaubte mir. Ich war allein.
Die Anrufe kamen weiter. Immer unregelmäßig. Immer kurz. Sie sagte, sie sei an verschiedenen Orten.
Einmal in einem Wald, einmal in einer leeren Wohnung, einmal in einem Auto, das sie nicht kannte. Sie wusste nie, wo sie war. Sie wusste nie, wie sie dorthin kam. Einmal fragte ich sie: „Was ist das Letzte, woran du dich erinnerst?
“
„Der Zug“, sagte sie. „Ich war im Zug. Und dann war ich hier. “
„Was ist mit dem Zug passiert?
“
„Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich im Zug war. Und dann war ich hier. “
„Marlis, ich muss dich etwas fragen.
Und ich will, dass du ehrlich bist. “
„Ja? “
„Wer ist der Mann, der sagt, er ist dein Vater? “
Stille.
Lange Stille. „Ich kenne seinen Namen nicht“, sagte sie dann. „Aber er sieht aus wie du. “
Wie ich.
Das ergab keinen Sinn. „Was meinst du damit? “
„Er hat dein Gesicht. Dieselben Augen.
Dasselbe Lächeln. “
„Das kann nicht sein. Ich bin der Einzige. “
„Ich weiß.
Aber er ist hier. “
„Marlis, ich komme. Sag mir, wo du bist. “
„Ich weiß es wirklich nicht.
Es wechselt. “
„Dann bleib ruhig. Ich finde dich. “
„Papa?
“
„Ja? “
„Ich glaube, er lügt mich an. “
„Warum? “
„Er sagt, du hast mich verlassen.
Er sagt, du wolltest mich nicht. “
„Das ist nicht wahr. Ich wollte dich immer. “
„Ich weiß.
Ich glaube ihm nicht. “
„Gut. Glaub mir. Nur mir.
“
„Ich versuche es. “
„Marlis, ich muss dich etwas fragen. Was hat deine Mutter zu dir gesagt, bevor sie gestorben ist? “
„Mama?
Sie ist gestorben, als ich klein war. Ich erinnere mich kaum an sie. “
„Was erinnerst du dich? “
„Sie hat mir vorgelesen.
Immer dieselbe Geschichte. Über eine Prinzessin, die sich verirrt hat. “
„Und was ist mit der Prinzessin passiert? “
„Sie hat den Weg nach Hause gefunden.
Am Ende. “
„Du bist die Prinzessin, Marlis. Du findest den Weg nach Hause. “
„Ich weiß nicht, wo Zuhause ist.
“
„Hier. Bei mir. Immer hier. “
„Papa?
“
„Ja? “
„Ich muss jetzt gehen. Er kommt zurück. “
„Nein, warte –“
Klicken.
Die Anrufe wurden seltener. Ich versuchte, sie zu verfolgen. Ich kontaktierte die Polizei, aber sie konnten nichts tun. Die Nummer existierte nicht.
Es gab keine Aufzeichnungen. Es gab nichts. Dann, eines Abends im April, rief sie an und sagte: „Ich weiß, wo ich bin. “
„Wo?
“
„In einem alten Haus. Es gibt viele Fotos. Überall. “
„Fotos von wem?
“
„Von mir. Von mir als Kind. Und von dir. “
„Das ergibt keinen Sinn.
“
„Ich weiß. Aber sie sind hier. Ich sehe sie. “
„Marlis, hör mir zu.
Bleib dort. Ich komme. “
„Papa? “
„Ja?
“
„Ich denke, ich weiß, was los ist. “
„Was? “
„Ich denke, ich bin nicht diejenige, die tot ist. “
Bevor ich antworten konnte, klickte es.
Die Leitung war tot. Ich starrte auf das Telefon. Was hatte sie gemeint? Sie war nicht diejenige, die tot war.
Wer war dann tot? Ich rief zurück. Nichts. Die nächsten Tage vergingen wie im Nebel.
Ich konnte nichts tun. Ich konnte nicht essen, nicht schlafen. Ich saß nur da und wartete auf den nächsten Anruf. Aber er kam nicht.
Dann, am Donnerstag, klingelte das Telefon. Nicht mein Handy. Das Festnetz. „Hallo?
“
„Sie erreichen Marlis Kellner. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem Signalton. “
Die Ansage. Ihre Stimme.
Aber sie hatte nie eine Ansage auf meinem Festnetz hinterlassen. „Marlis? Bist du da? “
Nichts.
Die Ansage wiederholte sich. Ich legte auf. Ich wählte ihre alte Handynummer. Die gleiche Ansage.
Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich wusste nicht, was echt war und was nicht. Ich fuhr zum Friedhof. Das Grab war unverändert.
Der Stein war immer noch da. Ihr Name war immer noch da. Marlis Kellner. Geboren 1988, gestorben 2006.
Ich stand vor dem Grab und las ihren Namen. Ich sah ihr Gesicht vor mir. Ich hörte ihre Stimme. „Papa, bist du es?
“
Ja, mein Kleines. Ich bin es. Ich blieb lange stehen. Der Wind wehte durch die Bäume.
Alles war still. Dann bemerkte ich etwas. Auf dem Grabstein lag eine weiße Lilie. Frisch.
Sie war vorher nicht da gewesen. Ich hatte sie nicht hingelegt. Wer hatte sie hingelegt? Ich sah mich um.
Niemand war auf dem Friedhof. Nur die Bäume und die Gräber. Ich ging zurück zum Auto. Auf dem Beifahrersitz lag ein Umschlag.
Er war vorher nicht da gewesen. Ich öffnete ihn. Darin war ein Foto. Es zeigte mich mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm.
Das Mädchen lachte. Ich lachte auch. Auf der Rückseite stand in ihrer Handschrift: „Für Papa. Für immer meine Liebe.
“
Ich starrte auf das Foto. Es war echt. Ich hatte es vor Jahren aufgenommen. Aber ich hatte es aufbewahrt.
In einer Schachtel unter meinem Bett. Niemand hätte es holen können. Niemand außer mir. Ich saß im Auto und hielt das Foto.
Ich wusste nicht, was ich denken sollte. Der nächste Anruf kam eine Woche später. Es war spät in der Nacht. „Papa?
“
„Marlis, wo bist du? “
„Ich bin in einem Haus. Es gibt einen Garten. Und einen Teich.
“
„Einen Teich? “
„Ja, mit Fischen. Goldfischen. “
Ich schloss die Augen.
Das Haus meiner Mutter. Sie hatte einen Teich mit Goldfischen. Aber sie hatte es verkauft, als Marlis noch ein Kind war. „Marlis, das Haus gehört uns nicht mehr.
“
„Ich weiß. Aber ich bin hier. “
„Das kann nicht sein. “
„Papa, ich denke, ich weiß jetzt, was passiert ist.
“
„Was? “
„Ich denke, ich war nie dort, wo du denkst. “
„Was meinst du damit? “
„Ich denke, ich war nie in dem Zug.
“
Ich spürte, wie mir das Blut aus dem Gesicht wich. „Was? “
„Ich weiß es nicht genau. Aber ich sehe Dinge.
Dinge, die nicht passiert sind. Und ich sehe keine Dinge, die hätten passieren sollen. “
„Marlis, das ergibt keinen Sinn. “
„Ich weiß.
Aber ich denke, es ist wahr. “
„Warum? “
„Weil dein Gesicht nicht das ist, was ich sehe, wenn ich in den Spiegel schaue. “
„Was siehst du, wenn du in den Spiegel schaust?
“
Stille. Dann: „Ich sehe mich. Aber nicht so, wie ich war. So, wie ich jetzt bin.
“
„Und wie bist du jetzt? “
„Älter. Ich bin älter geworden, Papa. Auch wenn ich tot bin.
“
Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte. „Bist du noch da? “, fragte sie. „Ja.
Ich bin noch da. “
„Gut. Ich habe Angst, wenn du nicht da bist. “
„Ich bin immer da.
Ich bin immer für dich da. “
„Ich weiß. Ich weiß, dass du das bist. “
„Marlis?
“
„Ja? “
„Was siehst du noch? Was siehst du, wenn du dich umschaust? “
„Ich sehe ein Bett.
Ein großes Bett mit weißer Bettwäsche. Und eine Lampe auf dem Nachttisch. Sie ist an. “
„Was für eine Lampe?
“
„Eine mit einem Schirm aus Stoff. Beige. “
Ich atmete scharf ein. Das war die Lampe in ihrem alten Zimmer.
Niemand hatte sie angefasst. Niemand hatte das Zimmer verändert. Es war, wie sie es zurückgelassen hatte. „Marlis, das ist dein Zimmer.
Dein altes Zimmer. “
„Ich weiß. Aber ich bin nicht allein. “
„Wer ist bei dir?
“
„Er. “
„Der Mann? “
„Ja. Er sitzt in der Ecke.
Er starrt mich an. “
„Was will er? “
„Er will, dass ich gehe. “
„Geh nicht.
Bleib dort. Ich komme. “
„Papa? “
„Ja?
“
„Ich glaube nicht, dass du mich finden kannst. “
„Warum nicht? “
„Weil ich nicht sicher bin, ob ich wirklich hier bin. “
Bevor ich antworten konnte, klickte es.
Ich saß in der Dunkelheit meines Wohnzimmers. Die Worte hallten in meinem Kopf nach. „Ich bin nicht sicher, ob ich wirklich hier bin. “
Was bedeutete das?
Ich stand auf. Ich musste etwas tun. Ich konnte nicht einfach warten. Ich musste in ihr Zimmer gehen.
Ich fuhr nachts zu meinem alten Haus. Es war noch da. Es sah aus wie immer. Aber als ich vor der Tür stand, bemerkte ich etwas.
Die Tür war nicht abgeschlossen. Ich ging hinein. Alles war wie es gewesen war. Die Möbel, die Bilder, der Geruch.
Das alte Haus meiner Mutter. Marlis hatte hier gelebt, nachdem meine Mutter gestorben war. Ich hatte es ihr gegeben, als sie achtzehn wurde. Nach ihrem Tod hatte niemand es berührt.
Ich ging die Treppe hinauf zu ihrem Zimmer. Die Tür stand offen. Ich trat ein. Die Lampe brannte.
Das Bett war gemacht. Die Bettwäsche war weiß. Aber es war etwas anders. Auf dem Nachttisch lag ein Foto.
Ein Foto von einer Frau. Sie sah aus wie Marlis, aber älter. Viel älter. Sie musste Mitte dreißig sein.
Auf der Rückseite stand: „Für Papa. Alles Liebe, Marlis. “
Ich starrte auf das Foto. Das war unmöglich.
Sie war neunzehn, als sie starb. Diese Frau war mindestens fünfunddreißig. Ich drehte das Foto um und sah es mir an. Sie hatte dieselben Augen.
Dasselbe Lächeln. Sie sah aus wie sie, nur älter. Das ergab keinen Sinn. Ich steckte das Foto ein und verließ das Haus.
Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Die Anrufe wurden seltener. Ich rief ständig an, aber es war nie jemand da. Ich war verzweifelt.
Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Dann, eines Abends, klingelte das Telefon. „Papa? “
„Marlis!
Wo bist du? “
„Ich bin in einem Krankenhaus. “
„Was? “
„Ich wache hier auf.
Die Ärzte sagen, ich hatte einen Unfall. Vor einer Woche. “
„Marlis, das ist unmöglich. “
„Ich weiß.
Aber sie sagen, ich hatte keinen Ausweis. Sie wussten nicht, wer ich bin. “
„Was ist passiert? “
„Ein Auto.
Es hat mich angefahren. Auf einer Landstraße. “
„Wo? “
„Ich weiß es nicht genau.
In der Nähe von Heidelberg. “
Ich schloss die Augen. Heidelberg. Der Ort, an dem sie gestorben war.
„Marlis, hör mir zu. Du musst mir sagen, wie du heißt. “
„Wie ich heiße? Ich heiße Marlis.
Marlis Kellner. “
„Nein. Du verstehst nicht. Frag die Ärzte, welchen Namen sie dir gegeben haben.
“
„Sie haben mir keinen Namen gegeben. Sie sagen, ich hatte keinen Ausweis. “
„Dann frag sie, wo du gefunden wurdest. “
„Auf der B 37.
In der Nähe des Bahnübergangs. “
Das Blut gefror in meinen Adern. Der Bahnübergang. An dem sie gestorben war.
„Marlis, ich komme. Bleib dort. “
„Papa? “
„Ja?
“
„Die Ärzte sagen etwas, das ich nicht verstehe. “
„Was? “
„Sie sagen, ich hätte eine Narbe auf meinem Kopf. Eine alte Narbe.
Von einer Operation. “
Ich wusste, welche Narbe. Sie hatte sie von einem Sturz, als sie klein war. Sie war am Hinterkopf.
„Das ist von deinem Sturz. Als du sieben warst. “
„Ich erinnere mich nicht daran. “
„Du warst noch klein.
Du hast dich erinnert. “
„Papa, ich erinnere mich an nichts. Nicht an dich. Nicht an mein Zuhause.
Nicht an mein Leben. “
Ich spürte, wie sich meine Kehle zuschnürte. „Marlis, wir werden das herausfinden. Ich verspreche es dir.
“
„Ich weiß nicht, ob ich dir glauben kann. “
„Du musst nicht glauben. Du musst nur hierbleiben. Ich komme.
“
„Papa? “
„Ja? “
„Ich glaube, ich bin nicht die, die du suchst. “
„Was?
“
„Ich glaube, ich bin nicht deine Tochter. “
„Marlis, was sagst du da? “
„Ich weiß es nicht genau. Aber ich habe Träume.
Träume von einem anderen Leben. Einem Leben, das nicht meins ist. Einem Leben, in dem ich nicht Marlis heiße. “
„Das sind nur Träume.
Du bist meine Tochter. Ich weiß es. “
„Aber ich weiß es nicht. Ich weiß gar nichts.
“
„Marlis, ich komme. Und dann werde ich dir alles erklären. “
„Okay. Ich warte.
“
„Versprich mir, dass du nicht auflegst. “
„Ich verspreche es nicht. Ich kann es nicht versprechen. “
„Warum?
“
„Weil ich nicht weiß, was passiert, wenn ich aufwache. “
Bevor ich antworten konnte, klickte es. Ich rief sofort zurück. Aber die Nummer war nicht vergeben.
Wieder. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich wusste nicht, ob sie echt war. Ich wusste nicht, ob ich verrückt wurde.
Ich saß in der Dunkelheit und starrte auf das Telefon. Stunden vergingen. Ich wagte nicht, mich zu bewegen. Dann, kurz vor Mitternacht, klingelte es.
„Papa? “
„Ja, ich bin hier. “
„Ich glaube, ich wache auf. “
„Was?
“
„Ich glaube, das hier ist nicht echt. Ich glaube, ich träume. Und gleich werde ich aufwachen. “
„Marlis, das ist kein Traum.
Ich bin wirklich hier. Hörst du mich? “
„Ja, ich höre dich. Aber ich sehe dich nicht.
Ich sehe nur Weiß. Überall Weiß. “
„Was ist um dich herum? “
„Ein Bett.
Eine Decke. Eine Lampe. “
„Wo bist du? “
„Ich weiß es nicht.
Ich bin nicht mehr im Krankenhaus. Ich bin in einem Zimmer. Es ist hell. “
„Beschreib es mir.
“
„Es ist klein. Es gibt ein Bett, einen Schrank, einen Stuhl. Die Wände sind weiß. Es gibt keine Fenster.
“
„Keine Fenster? “
„Nein. Nur eine Tür. Sie ist geschlossen.
“
„ Kannst du die Tür öffnen? “
„Ich weiß nicht. Ich habe es nicht versucht. “
„Versuch es.
Versuch, die Tür zu öffnen. “
Stille. Ich hörte, wie sie aufstand. Ihre Schritte auf dem Boden.
„Sie ist zu. Sie ist abgeschlossen. “
„Gibt es einen Schlüssel? “
„Nein.
Ich sehe keinen. “
„Marlis, hör mir zu. Bleib ruhig. Ich werde dich finden.
“
„Wie? Du weißt nicht, wo ich bin. “
„Ich werde es herausfinden. Ich verspreche es dir.
“
„Papa? “
„Ja? “
„Ich glaube, ich bin nicht allein. “
„Wer ist bei dir?
“
„Er. Er ist wieder hier. Er sitzt in der Ecke. Er starrt mich an.
“
„Sprich nicht mit ihm. Rede nicht mit ihm. “
„Er sagt etwas. “
„Was sagt er?
“
„Er sagt, ich soll aufwachen. Er sagt, wenn ich aufwache, werde ich alles vergessen. “
„Vergiss nicht. Vergiss nicht, was ich dir gesagt habe.
Vergiss nicht, dass ich dein Vater bin. “
„Ich werde versuchen, mich zu erinnern. Ich werde versuchen, mich an dich zu erinnern. “
„Marlis, ich bin hier.
Ich bin immer hier. “
„Ich muss jetzt gehen. Er sagt, ich muss aufwachen. “
„Nein, warte –“
Klicken.
Ich starrte auf das Telefon. Dann auf das Foto in meiner Hand. Die Frau sah aus wie sie. Aber älter.
Wer war sie? War sie meine Tochter? Oder war sie jemand anderes? Ich wusste es nicht.
Ich wusste nur, dass ich sie finden musste. Ich saß die ganze Nacht wach. Am Morgen rief ich die Polizei an. Ich fragte nach Unfällen in der Nähe von Heidelberg.
Sie sagten, sie wüssten von keinem. Ich rief die Krankenhäuser an. Nichts. Dann rief ich die Frau an, die mir vor Jahren die Nachricht überbracht hatte.
Die Ärztin. Ich fand ihre Nummer noch. Sie hörte mir zu, ohne zu unterbrechen. Dann sagte sie ruhig: „Mr.
Kellner, ich verstehe, was Sie durchgemacht haben. Aber was Sie beschreiben, ist nicht möglich. “
„Ich weiß, was ich gehört habe. “
„Ich weiß, dass Sie das glauben.
Aber es gibt keine Aufzeichnungen über einen Anruf. Keine Nummer. Nichts. “
„Dann erklären Sie mir, wie ich ihre Stimme gehört habe.
“
„Ich kann es nicht erklären. Aber ich empfehle Ihnen dringend, professionelle Hilfe zu suchen. “
„Sie glauben mir nicht. “
„Ich glaube, dass Sie überzeugt sind, dass das, was Sie erlebt haben, real ist.
Und das ist der erste Schritt, um Hilfe zu bekommen. “
Ich legte auf. Sie glaubte mir nicht. Niemand glaubte mir.
Ich saß in meiner Wohnung und wusste nicht, was ich tun sollte. Das Foto lag auf dem Tisch. Die Frau mit ihren Augen. Ihr Lächeln.
Dann klingelte es. „Papa? “
„Marlis? “
„Ich bin wach.
“
„Was? Wo bist du? “
„Ich bin in einem Krankenhaus. In Heidelberg.
Die Ärzte sagen, ich hatte einen Unfall. “
„Marlis, das ist unmöglich. Du bist –“
„Ich weiß. Du hast es mir gesagt.
Aber ich bin hier. Ich bin wirklich hier. “
„Wie heißt du? “
„Sie nennen mich unbekannt.
Ich hatte keinen Ausweis. “
„Wo bist du genau? “
„In der Klinik in Heidelberg. Station 3.
“
„Ich komme. Bleib dort. “
„Papa? “
„Ja?
“
„Ich habe Angst. “
„Ich weiß. Ich auch. Aber wir schaffen das.
Wir haben das schon immer geschafft. “
„Ich erinnere mich nicht. Ich erinnere mich an nichts. “
„Das macht nichts.
Ich werde mich für dich erinnern. “
„Versprichst du das? “
„Ich verspreche es. “
„Ich glaube dir.
“
„Gut. Bleib dort. Ich bin unterwegs. “
Ich legte auf.
Dann rannte ich zur Tür. Die Klinik in Heidelberg. Station 3. Ich kannte sie.
Es war dieselbe Station, auf der sie gestorben war. Ich fuhr wie im Rausch. Ich wusste nicht, was ich dort finden würde. Aber ich musste es sehen.
Die Fahrt dauerte zwei Stunden. Ich raste über die Autobahn. Ich wagte nicht, langsamer zu werden. Als ich ankam, stand ich vor der gläsernen Tür.
Ich atmete tief durch. Dann trat ich ein. Ich fragte an der Rezeption nach Station 3. Die Frau sah mich an und sagte: „Es tut mir leid, aber Station 3 ist geschlossen.
Sie wird renoviert. “
„Was? Seit wann? “
„Seit letzter Woche.
Es gab einen Wasserschaden. “
Ich starrte sie an. „Das kann nicht sein. Ich habe gerade mit einer Patientin gesprochen.
Sie sagte, sie sei auf Station 3. “
„Das ist nicht möglich. Es gibt keine Patienten auf Station 3. “
„Ich habe sie gehört.
Sie hat mir gesagt, sie sei hier. “
„Ich weiß nicht, mit wem Sie gesprochen haben. Aber es ist niemand auf dieser Station. Es war niemand da.
Die Station ist leer. “
Ich lehnte mich gegen die Wand. Das ergab keinen Sinn. „Kann ich selbst nachsehen?
“
„Es tut mir leid, aber das ist nicht erlaubt. Die Station ist wegen der Renovierung nicht zugänglich. “
Ich verließ die Klinik. Ich wusste nicht, was ich tun sollte.
Ich saß im Auto und starrte auf das Gebäude. Station 3. Sie war dort gewesen. Ich hatte ihre Stimme gehört.
Sie hatte mir gesagt, sie sei dort. Aber die Station war leer. Ich fuhr nach Hause. Ich wusste nicht, was ich denken sollte.
Die Anrufe hörten auf. Ich rief jeden Tag an. Ich versuchte, sie zu erreichen. Aber nichts.
Wochen vergingen. Nichts. Ich saß in meiner Wohnung und starrte auf das Telefon. Das Foto lag auf dem Tisch.
Die Frau mit ihren Augen. Dann, eines Abends im Mai, klingelte es. „Papa? “
„Marlis?
“
„Ich bin zu Hause. “
„Was? Wo? “
„Ich bin bei mir zu Hause.
In meiner Wohnung. “
„Welcher Wohnung? “
„In Mannheim. In der Ludwigstraße.
“
„Marlis, du hattest nie eine Wohnung in Mannheim. Du wohnst bei mir. Du hast immer bei mir gewohnt. “
„Nein.
Ich wohne in Mannheim. Ich bin Studentin. Ich wohne seit zwei Jahren hier. “
„Das ist nicht wahr.
Du bist gestorben. Vor einem Jahr. “
„Ich bin nicht gestorben, Papa. Ich bin hier.
Ich bin in meiner Wohnung. “
„Was ist das Letzte, woran du dich erinnerst? “
„Ich erinnere mich an den Zug. Ich war auf dem Weg nach Heidelberg.
Und dann –“
„Und dann was? “
„Ich weiß es nicht. Ich erinnere mich nicht. “
„Marlis, hör mir zu.
Ich glaube, dass du am Leben bist. Aber etwas ist nicht richtig. “
„Was meinst du? “
„Ich weiß es nicht.
Aber ich glaube, dass die Person, die du bist, nicht die Person ist, die du sein sollst. “
„Das verstehe ich nicht. “
„Ich auch nicht. Aber wir werden es herausfinden.
Ich komme zu dir. “
„Bist du sicher? “
„Ja. Ich bin sicher.
“
„Okay. Ich erwarte dich. “
„Bleib dort. Geh nicht weg.
“
„Ich werde hier sein. Ich verspreche es. “
Ich legte auf. Dann verließ ich die Wohnung.
Ich fuhr nach Mannheim. Zur Ludwigstraße. Ich fand das Haus. Es war ein altes Gebäude mit einem Innenhof.
Ich klingelte. Eine Frau öffnete die Tür. Sie sah aus wie sie. Wie die Frau auf dem Foto.
Älter, aber unverkennbar. „Papa. “
Ich konnte nicht antworten. Ich stand nur da und starrte sie an.
„Komm rein“, sagte sie. Ich trat ein. Die Wohnung war klein, aber sauber. Überall lagen Bücher.
An der Wand hingen Fotos. Fotos von ihr. Als Kind. Als Jugendliche.
Als Erwachsene. „Das bin ich“, sagte sie. „Das ist mein Leben. “
Ich sah mir die Fotos an.
Sie zeigten ein Leben, das ich nie gesehen hatte. Ein Leben, das nicht das meiner Tochter war. „Das bist nicht du“, sagte ich. „Das ist jemand anderes.
“
„Ich bin es. Ich bin Marlis. Ich bin deine Tochter. “
„Nein.
Du bist nicht sie. Meine Tochter ist tot. “
„Ich weiß, dass du das glaubst. Aber ich bin hier.
Ich bin wirklich hier. “
„Woher hast du diese Fotos? “
„Sie sind aus meiner Kindheit. Von meinen Eltern.
“
„Deinen Eltern? Wer sind deine Eltern? “
„Mein Vater … er starb, als ich klein war. Meine Mutter starb vor zwei Jahren.
“
„Wie hieß deine Mutter? “
„Sie hieß Ingrid. Ingrid Kellner. “
Ich spürte, wie mir das Blut aus dem Gesicht wich.
„Ingrid war meine Frau. Und sie ist vor zwanzig Jahren gestorben. Nicht vor zwei Jahren. “
„Nein.
Sie ist vor zwei Jahren gestorben. Ich habe sie begraben. “
„Das ist unmöglich. Ich habe sie begraben.
Vor zwanzig Jahren. “
„Papa, ich weiß nicht, was du glaubst. Aber ich weiß, was ich weiß. Ich bin Marlis.
Ich bin deine Tochter. Und ich war nie in einem Zug. “
Ich setzte mich auf das Sofa. Meine Beine gaben nach.
„Du verstehst nicht“, sagte ich. „Ich habe dich begraben. Ich habe deinen Sarg in die Erde gelassen. Ich habe dein Grab gepflegt.
“
„Ich weiß. Aber ich bin hier. “
„Du kannst nicht hier sein. Du bist tot.
“
„Ich bin nicht tot. Ich lebe. “
Ich schaute sie an. Sie sah aus wie sie.
Aber sie war älter. Sie hatte Falten um die Augen. Sie hatte Narben an den Händen. „Was ist mit deinem Arm?
“, fragte ich. „Welcher Arm? “
„Dein linker. Du hattest eine Narbe.
Vom Fahrradsturz. Als du zehn warst. “
Sie sah auf ihren Arm. Dann schüttelte sie den Kopf.
„Ich habe keine Narbe. “
„Doch. Du hattest eine. Sie war lang.
Von deinem Ellenbogen bis zu deinem Handgelenk. “
„Ich hatte nie eine solche Narbe. “
Ich stand auf. „Dann bist du nicht meine Tochter.
“
„Ich bin es. Ich weiß, dass ich es bin. “
„Nein. Du hast nicht die Narbe.
Du hast nicht die Erinnerungen. Du bist nicht sie. “
„Ich weiß nicht, was du meinst. Ich bin Marlis.
Ich bin deine Tochter. “
„Meine Tochter hatte eine Narbe. Meine Tochter hatte Erinnerungen. Meine Tochter war in dem Zug.
Meine Tochter ist gestorben. Du bist nicht sie. “
„Papa, bitte –“
„Nein. Ich weiß, was ich weiß.
Du bist nicht meine Tochter. “
Ich drehte mich um und ging zur Tür. „Papa, warte! “
Ich blieb stehen.
„Was? “
„Wenn ich nicht deine Tochter bin, wer bin ich dann? “
Ich sah sie an. Sie sah aus wie sie.
Aber sie war nicht sie. „Ich weiß es nicht“, sagte ich. „Aber ich glaube, das ist die eigentliche Frage. “
Ich ging hinaus und ließ die Tür hinter mir zufallen.
Als ich im Auto saß, klingelte mein Handy. „Papa? “
„Marlis? “
„Ich bin nicht in Mannheim.
Ich bin hier. In dem weißen Zimmer. “
„Was? Wo bist du?
“
„Ich bin in dem weißen Zimmer. Die Tür ist zu. Er ist hier. Er starrt mich an.
“
„Marlis, ich verstehe nicht. Du warst gerade in Mannheim. Du warst in deiner Wohnung. “
„Nein.
Ich war nie in Mannheim. Ich bin immer hier. In dem weißen Zimmer. “
„Aber ich habe dich gesehen.
Ich habe mit dir gesprochen. “
„Das war nicht ich. Das war jemand anderes. “
„Wer?
“
„Ich weiß es nicht. Aber sie sieht aus wie ich. Sie sagt, sie ist Marlis. Aber sie ist nicht ich.
“
„Wer bist du? “
„Ich bin Marlis. Ich bin deine Tochter. Und ich bin hier.
“
„Wo ist hier? “
„In dem weißen Zimmer. Mit der geschlossenen Tür. “
„Marlis, ich komme.
Ich finde dich. “
„Ich glaube nicht, dass du mich finden kannst. “
„Warum nicht? “
„Weil ich nicht sicher bin, ob dieser Ort existiert.
“
Bevor ich antworten konnte, klickte es. Ich saß im Auto vor dem Haus in Mannheim. Das Telefon war still. Ich sah zum Fenster der Wohnung im dritten Stock.
Das Licht war an. Jemand stand am Fenster. Es war die Frau. Sie sah mich an.
Dann zog sie die Vorhänge zu. Ich saß die ganze Nacht vor dem Haus. Am Morgen fuhr ich zurück nach Hause. Ich wusste nicht, was wirklich war.
Ich wusste nicht, wer sie war. Ich wusste nur, dass ich meine Tochter verloren hatte. Und dass ich sie vielleicht nie finden würde. Die Anrufe hörten auf.
Ich rief an, aber niemand antwortete. Das Foto lag auf dem Tisch. Die Frau mit ihren Augen. Ihr Lächeln.
Ich sah es mir an. Und ich wusste: Egal, wer sie war, sie war nicht meine Tochter. Meine Tochter war in dem Zug. Meine Tochter war gestorben.
Und nichts auf der Welt konnte das ändern. Ich steckte das Foto in die Schublade. Ich legte das Telefon auf den Tisch.
Ich wartete auf einen Anruf, der nie kam.


