Ihri Ohrringe sind s Einzige, wo mir vo mim Mami bliben isch. Ich ha genau 2000 Franke gspart gha. D’Schalterdame het mir e Quittig mit mim Name gäh, wo mir mim Sohn si Platz in siim neue Schickimicki-Läbe het gsicheret. D’Monet vor de Hochzyt sind i mim chline Huus mit eme stille, unruhige Gfühl vergange.

Es Chleid het meh kostet, als ich normalerwiis im Monet fürs Esse usgä, aber ich ha’s uf Rote leit und i sechs Wuche abbezahlt. Ich ha’s a d’Türe vo mim Schlafzimmer ghänge, no im Schutzplastik. Zersch bin ich i de Gruppe mit Sarah und ihrer Mueter gsi, wo mer über d’Blume rede. Denn bin ich plötzlich nümme uf em Laufende gsi.
“Mami, ich tippe dir eifach d’Sache, wo wichtig sind”, het er gseit. Er het’s nie gmacht. Won ich’s aagsproche ha, het David glachet und d’Auge verdreit, als wär ich ganz unvernümftig. Am Dientschignamittag isch er denn uusgflippt.
Trotzdem ha ich nöd gstritte. Das isch min erste Fähler gsi. Denn ha ich mich uf mis Blume-Sofa gsetzt und gwartet. Denn isch Mittag gsi.
“Ich bi ganz parat”, ha ich gseit. Es isch e Pause vo zwei Sekunde gsi. Denn het min Sohn glachet. “Gester het er d’Stimm gsänkt, aber nöd gnueg.
” Ich ha mich ganz langsam ufs Sofa gsetzt und ufpasset, dass s’blaue Chleid nöd verchruslet. Ich ha stunde lang gsässe und Recherche gmacht, wo kei Mueter sött mache. Am Fritigabig, won er vor em Altar gstande isch, ha ich Rästli-Suppe ufgwermt, während er sim erschte Tanz gmacht het. Ich ha Sarah nöd aagschribe zum schimpfe.
Stattdesse bin ich uf s’Landguet Oakwood gfahre. Dieselb Schalterdame isch hinger em Mahagoni-Pult gsässe. “D’Rächnig isch uf dine Name usgschribe. ” D’Angscht, mim Sohn peinlich z’si, nöd guet gnueg für sini vornehm neui Familie z’si, isch komplett verschwunde.
Es isch nüt meh gsi, wo mich het chönne schrecke, nume no chalti, harti Chläri. Es isch chli meh als 300’000 Franke gsi. Es isch s’einzig Mal i mim Läbe gsi, won ich so viel Gält gseh ha. Er het ab und zue erwähnt, wie guet mir’s gha hätte, sobald min Scheck würd iitroffe.
Ich ha denn realisiert, dass er mini Läbensersparnisse scho i sini nöii Ehe iplennt gha het. Stattdesse bin ich i es Quartier i de Nöchi vo de Uni gfahre. Ich ha’s no i dere Wuche bar kauft. Ich ha niemerem öppis verzellt.
Und bi all dem Schabe und Aastritche ha ich d’Telefonnummer vo mim Sohn kei einzig Mal gwählt. Mini Stillschwiige isch di einzig Antwort gsi, won ich ha welle gä. Innerhalb vo drü Täg sind all sächs Zimmer voll gsi. Dehei sind zwöi Pflegischülerinne cho, wo bis am Morge um 2 glehrt hend, und en ruhige Mechatronik-Student.
Ich ha ne e günstige Monetsmieti verlangt, gnueg zum Strom, Steure und Esse zahle, mit eme chline Extrigält. Ich ha sofort Chläri Regle ufgstellt. Wenn si e schmutzige Teller im Spülbecke ligge glaa hend, ha ich ne uf es Chüssi gleit. Ich ha nöd ufs Telefon glueget zum luege, ob David endlich gnueg Maniere hätt gfunde zum schriibe.
Ich ha mir es Läbe ufbout, ganz uf eigni Füess, mit de Ressource, won ich verdient ha. D’Studente sind all uf em Campus gsi. Ich ha d’Räifine uf em Chiesplatz ghört und de herti Schlag vo de Autotüre. “Was wetsch?
“, het er gseit, ohni Grüessli. “De Vater vo de Sarah zahlt de gröscht Teil vom Kapital”, het er wiitergredt, ganz schnell. “Ich bruuche nume no hunderttausend. ” Er het dänkt, ich hocke da i dem Huus und warte nur uf d’Gelegeheit, ihm en Scheck uszstelle.
“Hunderttausend”, ha ich widerholt. “Ich ha kei hunderttausend, David. ” “Was meinsch? ” “Oh, das han ich vergässe zum säge.
De Rest isch i d’Renovation gange. ” “Und als Dank hesch mich zu dine neui Familie es ‘lästigs altes Wiib’ gnennt, während ich i blaue Chleid uf e Aruf gwartet ha. ” Er isch uusgstürmt, het vor em Huus e Farbbüchse gschosse und isch denn is Auto gstige. Ich ha ihm zuegluegt, wie er devo gfahre isch, denn ha ich d’Türe liecht zoge und abgschlosse.
Zwöi Jahr sind vergange, sit David us dere Türe isch. Ich ha nie wider öppis vo ihm ghört. Ich lah sie eifach existiere i dere Wält, wo mich nümmi berüert. Ich ha e Wartelischte für de Herbst.
Ich ha mich gfüelt wie e Frau, wo genau weiss, wo sie acho isch. Mängisch ghöre d’Lüüt i de Stadt Stückli vo dere Gschicht und luege mich mitleidig a, dänke, ich mues doch e einsams, herzbrochens Wittib si, wo ihre einzige Sohn vermisst. Sie verstaht nöd, wie friedlich es isch, wenn im Huus Stillschwiige herrscht und niemer dich respektlos behandlet. Jede Sunntig um 6 hocke ich am Chopf vo mim lange HolzTisch.
Ich bi kei Opfer. Mängisch isch di schwerst Wahrheit, won mer müesse akzeptiere, dass unendlichi Opfer nöd automatisch Respekt bringe, au nöd vo de Lüt, won am meiste lieb. D’Gschicht vo de Francis isch e stille Erinnerig, dass es nie z’ spaat isch, ufzghöre uf e Iiladig z’warte a e Tisch, wo du nöd gschätzt wirsch.
Wenn dir die Gschicht öppis seit, oder wenn du je de schwirig Entscheid müescht treffe, go z’gah und din eigene Friide z’schütze, denn erzähl mir’s i de Kommente.


