Der deutsche Vormarsch im Osten erreicht eine neue, bedrohliche Phase. Wie aus dem soeben veröffentlichten Tagebuch des Martin Adler hervorgeht, dessen Aufzeichnungen nun der Öffentlichkeit zugänglich sind, steht die Wehrmacht im Spätsommer 1942 am Ufer des mächtigen Don. Der Fluss, den die Kosaken in ihren Liedern besingen, ist zur Frontlinie geworden, einem natürlichen Hindernis, das es zu verteidigen gilt. Adler, ein Soldat aus dem fränkischen Land der kleinen Flüsse, beschreibt den ersten Anblick dieses gewaltigen, trägen Gewässers mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Vorahnung. Der Don sei kein Fluss, wie er ihn kannte, sondern ein breites, mächtiges Band, das in weiten Schleifen durch die flache Landschaft zieht, an manchen Stellen so breit, dass das andere Ufer im Dunst zu verschwimmen scheint. Über den Wassern liegt in den heißen Tagen ein silbriges Glitzern, ein flirrendes Licht, das die Augen blendet.
Die Truppen beziehen Stellung am westlichen Ufer, ihre Aufgabe ist es, die Übergänge zu sichern und einen Brückenkopf zu schützen. Von diesem Brückenkopf aus soll der weitere Vorstoß nach Osten auf Stalingrad erfolgen. Die Tage am Don sind von einer trügerischen Ruhe erfüllt, einer Ruhe, die Adler an den Stellungskrieg im Frühsommer erinnert. Es ist eine Ruhe, die unter der Oberfläche stets den Tod birgt. Die Soldaten graben sich ein, richten sich ein für eine Zeit des Wartens und der Verteidigung. In dieser Zeit der Stille entdeckt Adler eine schwermütige, melancholische Schönheit in der Landschaft. Die weite Steppe, in der das Gras unter der Sommersonne gelb und dürr geworden ist, der mächtige, träge Strom, der hohe, weite Himmel, über den am Abend die Sonne in einem Meer von Gold und Purpur versinkt. All das hat etwas Großartiges, Erhabenes. Adler sitzt zuweilen am Ufer im Schutz der Stellung, blickt über das Wasser und in die Ferne und vergisst für Augenblicke den Krieg. Er versinkt in der Betrachtung dieser fremden Schönheit, die so anders ist als die liebliche Schönheit seiner fränkischen Heimat. Es ist eine Schönheit der Weite, der Einsamkeit, der ungeheuren Räume. Und er beginnt, ein wenig von dem Geist dieses Landes zu begreifen, von seiner Seele, die in dieser Weite wohnt. Er versteht, warum die Menschen dieses Landes so an ihm hängen, so für es kämpfen und sterben. Denn wer einmal die Seele dieser Weite gespürt hat, den lässt sie nicht mehr los.
In den Abendstunden, wenn die Hitze des Tages nachlässt und ein kühler Wind über die Steppe streicht, steigen die Wasservögel in großen Schwärmen vom Fluss auf. Sie ziehen ihre Bahnen über den abendlichen Himmel, und ihre Rufe hallen über das Wasser, ein einsamer, klagender Laut, der Adler ans Herz greift. Er denkt an die Heimat, an die Vögel über der Pegnitz, und das Heimweh überkommt ihn mit aller Macht. Doch die Schönheit des Don kann nicht über die Gefahr hinwegtäuschen, die in der Luft liegt. Alle spüren, dass dies nur eine Atempause ist, ein Innehalten vor dem großen Sturm. Der Name Stalingrad, der von Tag zu Tag häufiger fällt, liegt wie ein Schatten über ihnen, eine dunkle Drohung, deren ganze Schwere sie noch nicht ermessen können. Feldwebel Weiß, ein alter Soldat mit geübtem Blick, beurteilt die Lage mit Sorge. Er sagt zu Adler, als sie gemeinsam am Ufer Wache halten, dass ihm dieser Vorstoß nicht gefalle. Die Front habe sich zu weit gedehnt, die Flanken seien zu lang, zu dünn besetzt. Das Deutsche Heer habe sich zu tief vorgewagt in diese unermessliche Weite. Er fürchtet, der Feind könne diese überdehnten Flanken eines Tages durchstoßen und sie abschneiden, einkesseln, wie sie den Feind so oft eingekesselt haben. Adler hört diese Worte mit Beklemmung. Er weiß, dass Weiß nicht zur Schwarzseherei neigt, dass er die Dinge nüchtern und klar beurteilt. Wenn er solche Sorgen ausspricht, dann muss die Lage in Wahrheit bedrohlich sein. Adler blickt über den dunklen, träge fließenden Don und fragt sich, was sie jenseits dieses Flusses erwartet, in der Stadt am anderen großen Strom, deren Name sie wie ein böses Omen verfolgt.
Dann kommt der Tag, an dem sie den Don überqueren müssen. Der Befehl lautet, das östliche Ufer zu erreichen und von dort weiter vorzustoßen, dem fernen Stalingrad entgegen. Der Übergang über diesen breiten, mächtigen Strom ist ein gefährliches Unternehmen. Der Feind beherrscht das andere Ufer mit seinem Feuer. Ein Fluss, der unter feindlichem Beschuss überquert werden muss, ist eine tödliche Falle, in der ein Heer sich verbluten kann. Die Pioniere haben in den Nächten zuvor unter größter Mühe und unter ständigem Beschuss eine Behelfsbrücke geschlagen, eine schwankende Konstruktion aus Pontons und Bohlen, die sich über die breite Wasserfläche zieht. Über diese Brücke sollen sie hinüber. Adler erinnert sich an die Furcht, mit der er diesem Übergang entgegensieht. Die Brücke ist ein offenes, ungeschütztes Ziel, und der Feind hat sie eingeschossen. Jeder, der sie überquert, tut es im Angesicht des Todes. Sie treten an in der Morgendämmerung, im fahlen ersten Licht, das den Nebel über dem Fluss durchdringt. Der Übergang beginnt. Adler steht in der wartenden Kolonne und sieht, wie die ersten Männer auf die schwankende Brücke treten und hinübereilen, gebückt, hastend, dem rettenden anderen Ufer entgegen. Er sieht auch, wie das feindliche Feuer einsetzt, wie die Granaten ins Wasser schlagen und gewaltige Fontänen aufwerfen, wie hier und da ein Mann getroffen wird und in die Tiefe stürzt, und das Wasser des Don sich rot färbt.
Als die Reihe an seinen Zug kommt, rennen sie über die Brücke, einer hinter dem anderen, gebückt, so schnell sie können. Unter ihm schwankt das Ponton, und das dunkle Wasser strömt vorbei. Über ihnen pfeifen und heulen die Geschosse, und um sie schlagen die Einschläge ins Wasser. Es ist ein Lauf um das nackte Leben, ein verzweifeltes Hasten über die tödliche Spanne. Adler rennt und betet und hält den Blick auf das andere Ufer geheftet, das so nah und doch so unendlich fern scheint. Neben ihm rennt Otto, vor ihm Fritz, hinter ihm die anderen. Er hört das Klatschen der Einschläge und das Schreien der Getroffenen. Er rennt weiter, weiter, bis er endlich atemlos das andere Ufer erreicht und sich in den Schutz einer Bodenwelle wirft. Er zählt die Gesichter, die mit ihm herübergekommen sind. Otto, Gott sei Dank. Fritz, Gott sei Dank. Doch andere fehlen. Andere sind auf der Brücke geblieben, ins Wasser gestürzt, fortgerissen vom Strom. Der Übergang hat wieder Männer gekostet, hat wieder Lücken gerissen in ihre ohnehin gelichteten Reihen. Der junge Fritz hat den Übergang überstanden, doch er ist erschüttert. Ein Mann, der dicht neben ihm gelaufen war, wurde getroffen und stürzte vor seinen Augen in die Tiefe. Fritz musste mit ansehen, wie er von den Fluten verschlungen wurde, ohne dass ihm zu helfen war. Dieser Anblick hat ihn aufs Neue verstört. Adler sieht, wie er zittert, als sie in der Deckung liegen. Er legt ihm die Hand auf die Schulter und spricht ihm zu, beruhigt ihn so gut er kann. Er sagt ihm, dass er es überstanden habe, dass er lebe, dass es nun vorbei sei. Fritz nickt und versucht sich zu fassen. Doch Adler sieht, wie schwer ihm der Krieg zusetzt, wie er an diesem Jungen zehrt, der so jung ist, zu jung für all dies. Er fürchtet, dass er zerbrechen wird, dass seine Seele nicht ertragen wird, was sein Leib erträgt. Er nimmt sich vor, noch wachsamer über ihn zu sein, ihn noch mehr zu beschützen, soweit es in seiner Macht steht. Doch er weiß, dass seine Macht gering ist, dass er ihn nicht bewahren kann vor dem, was kommt, vor Stalingrad, das nun nahe rückt, mit jedem Schritt, den sie nach Osten tun, fort vom Don in die offene Steppe hinein, der Stadt am anderen Strom entgegen, deren Name sich einbrennt wie ein glühendes Mal.

Nachdem sie den Don überschritten haben, stoßen sie zunächst weiter nach Osten vor. Doch bald wandelt sich der Charakter des Krieges für ihren Abschnitt. Während die Hauptkräfte weiter auf Stalingrad zustoßen, wird ihre Division abgestellt, die lange Flanke am Don zu sichern, jene überdehnte Flanke, von der Feldwebel Weiß mit solcher Sorge gesprochen hatte. Sie kehren zurück an den Strom und beziehen Verteidigungsstellungen. Es gilt nun nicht mehr vorzustoßen, sondern zu halten, die Flanke der großen Offensive zu decken gegen mögliche feindliche Vorstöße. Adler erinnert sich, dass sie diese Aufgabe mit einer dumpfen Unruhe erfüllt. Das Halten einer langen, dünn besetzten Linie ist eine undankbare, gefährliche Sache, bei der man stets der Übermacht ausgesetzt ist, falls der Feind angreift. Sie graben sich ein in der weiten Steppe am Don, bauen ihre Stellungen aus, so gut es geht, in dem harten, ausgedörrten Boden. Sie verteilen sich über eine Linie, die viel zu lang ist für ihre geringe Zahl, sodass zwischen den einzelnen Stützpunkten weite, kaum gesicherte Lücken klaffen. Adler begreift, was Weiß gemeint hat, als er von den überdehnten Flanken sprach. Sie sind zu wenige, um diese unermessliche Front wirklich zu halten. Wenn der Feind mit Macht angreift, werden sie ihn nicht aufhalten können. In den Wochen der Verteidigung am Don leben sie in einer ständigen Anspannung, einer lauernden Wachsamkeit. Sie wissen, dass der Feind jenseits des Flusses Kräfte sammelt, dass er sich vorbereitet. Das Gerücht geht um, dass große feindliche Verbände sich gegenüber ihrer Flanke versammeln. Diese Gerüchte, ob wahr oder nicht, nähren ihre Furcht. Sie spähen Tag und Nacht hinüber zum feindlichen Ufer, suchen nach Anzeichen eines bevorstehenden Angriffs. Die Ungewissheit, das Warten, das Nichtwissen, wann der Schlag fallen wird, zehrt an ihren Nerven mehr als der Kampf selbst. Es ist eine sonderbare Zeit. Äußerlich herrscht Ruhe, eine trügerische, gespannte Ruhe, in der nur das gelegentliche Störfeuer, der nächtliche Spähtrupp, der einzelne Scharfschütze den Tod bringen. Und doch liegt über allem die Drohung des großen Sturmes, der sich zusammenbraut, unsichtbar noch jenseits des Flusses. Adler fühlt sich wie ein Mensch, der in der Stille vor dem Gewitter ausharrt, der die Schwüle spürt, das ferne Grollen hört und weiß, dass der Sturm kommen wird, und der doch nicht weiß, wann er losbrechen und welche Verwüstung er anrichten wird.
Feldwebel Weiß wird in jenen Wochen immer stiller und ernster. Adler sieht ihm an, dass ihn die Lage mit tiefer Sorge erfüllt, denn er durchschaut die Gefahr, in der sie schweben, klarer als die anderen. Einmal in einer stillen Nachtstunde, als sie gemeinsam Wache halten, spricht er offener zu Adler als je zuvor. Er sagt ihm, dass er fürchte, der Feldzug sei verloren. Das Deutsche Heer habe sich übernommen, habe sich verzettelt in der Weite Russlands. Die Kräfte reichten nicht für die ungeheuren Räume, die man erobern wolle. Er sehe das Ende kommen, vielleicht nicht in diesem Jahr, vielleicht nicht im nächsten, doch unausweichlich. Er hoffe nur, so viele von ihnen wie möglich lebend durch das Kommende zu bringen. Diese Worte aus dem Munde eines Mannes wie Weiß, der nie geklagt, nie gezweifelt hatte vor ihnen, erschüttern Adler tief. Sie bestätigen, was auch in ihm längst gewachsen ist, die dunkle Gewissheit, dass sie einem Abgrund entgegengehen, dass all das Leiden, all das Sterben umsonst gewesen war und umsonst sein wird, dass kein Sieg sie erwartet am Ende dieses Weges, sondern nur die Niederlage, der Untergang. Adler blickt über den dunklen Don, über das schwarze, glänzende Wasser, das so ruhig dahin strömt, gleichgültig gegen all ihr Sorgen und Bangen. Sein Herz ist schwer von Vorahnung. Er weiß, dass die Zeit der trügerischen Ruhe sich ihrem Ende nähert und dass das, was kommen wird, furchtbarer sein wird als alles, was hinter ihnen liegt. Es ist in einer jener Nächte der Verteidigung am Don, in den ersten kühlen Nächten des Herbstes, als die Steppe schon den nahenden Winter ahnen lässt, dass Adler gemeinsam mit Otto und dem jungen Fritz auf vorgeschobenem Posten liegt, einem einsamen Stützpunkt weit vor der Hauptlinie, von dem aus sie das feindliche Ufer beobachten sollen. Diese Nacht ist ihm im Gedächtnis geblieben als eine der seltsamsten, eindringlichsten Nächte des ganzen Krieges. In ihr, in der Stille und der Einsamkeit, fern von den anderen, kommen sie dreieinander so nahe wie selten zuvor. Sie sprechen über Dinge, über die man sonst nicht spricht. Die Nacht ist klar und kalt, der Himmel von Sternen übersät. Über der weiten, dunklen Steppe liegt eine ungeheure Stille, in der nur das leise Plätschern des Flusses zu hören ist und gelegentlich der ferne Ruf eines Nachtvogels. Sie kauern in ihrem Erdloch, eng aneinander gedrängt gegen die Kälte, und halten Wache. In der langen Stille der Nacht beginnen sie zu reden, leise, mit gedämpfter Stimme. Das Gespräch wendet sich, wie es in solchen Nächten geschieht, den großen Fragen zu, dem Leben, dem Tod, dem Sinn von allem. Fritz, der junge Fritz, spricht in jener Nacht von seiner Furcht, offen, wie er es sonst nicht gewagt hätte. Er gesteht, dass er sich fürchte, nicht so sehr vor dem Tod selbst, sondern vor dem Sterben, vor dem Schmerz, vor dem Alleinsein im Tod. Er fragt sie, ob sie glaubten, dass es ein Danach gebe, ein Leben nach dem Tod, einen Himmel. Otto und Adler sehen einander an in der Dunkelheit. Es ist eine schwere Frage, eine Frage, die sie sich alle stellen und auf die keiner von ihnen eine sichere Antwort hat. Adler sagt schließlich, dass er es nicht wisse, dass er gehofft hätte, daran zu glauben, dass ihm der Glaube aber schwer geworden sei in diesem Krieg, angesichts all des sinnlosen Leidens. Otto sagt, dass er glaube, dass es ein Danach geben müsse, dass es nicht sein könne, dass all dies umsonst sei, dass die Guten, die Reinen, einfach ausgelöscht würden, dass es eine Gerechtigkeit geben müsse irgendwo, irgendwann. Sie sprechen lange über diese Dinge in jener stillen, sternklaren Nacht, drei junge Männer am Rande des Todes, die nach einem Sinn suchen in dem Sinnlosen, nach einem Trost in der Trostlosigkeit.
Dann gegen Morgen, als der Osten sich zu lichten beginnt und die Sterne zu verblassen, geschieht etwas Wunderbares. Vom anderen Ufer, von den feindlichen Stellungen herüber, dringt ein Gesang zu ihnen. Ein einzelner Mann singt dort drüben eine russische Weise, eine schwermütige, schöne Melodie, deren Worte sie nicht verstehen und die doch zu ihren Herzen spricht. Sie singt von dem, was alle Menschen fühlen, von Sehnsucht und Heimweh und Liebe und Verlust. Sie lauschen alle drei, ergriffen dem Gesang des fernen, unsichtbaren Feindes, der in der Morgendämmerung singt, vielleicht aus demselben Heimweh, aus derselben Sehnsucht, die auch sie erfüllt. In jenem Augenblick gibt es keine Feindschaft mehr zwischen ihnen. Nur das gemeinsame Menschsein, das gemeinsame Leiden, die gemeinsame Sehnsucht nach Frieden, nach Heimat, nach Liebe. Fritz, der junge Fritz, hat Tränen in den Augen, als er dem Gesang lauscht. Er flüstert, dass es schön sei, so schön, und dass er nicht verstehe, warum sie den töten müssten, der dort so schön singe. Adler weiß keine Antwort, denn auch er versteht es nicht. Er hat es nie verstanden und wird es nie verstehen. Sie lauschen dem Gesang, bis er verklang in der heraufdämmernden Morgenröte. Es ist, als wäre ihnen für einen Augenblick ein Vorhang fortgezogen worden, hinter dem die Wahrheit lag, die einfache, ungeheure Wahrheit, dass sie alle Brüder waren, Menschen, die sich nach demselben sehnen, und dass der Krieg, der sie gegeneinander treibt, der furchtbarste Frevel ist, den die Menschheit begehen kann. Adler trägt diesen Augenblick mit sich fort als kostbares Vermächtnis jener Nacht, hinein in die Finsternis, die kommen sollte. Anfang Oktober 1942 stehen sie am Don und sichern die Flanke. Eine lange, dünne Linie, viel zu lang für ihre Zahl. Weiß sagt, das sei gefährlich, und Adler glaubt ihm. Zwischen den Stützpunkten klaffen Lücken. Wenn der Feind mit Macht angreift, halten sie ihn nicht. Jeder spürt es. Eine trügerische Ruhe wie die Schwüle vor dem Gewitter. Weiß hat in einer Nacht offen zu Adler gesprochen. Er fürchtet, der Feldzug sei verloren. Das Heer habe übernommen, verzettelt in dieser Weite. Er sieht das Ende kommen. Wenn ein Mann wie Weiß so etwas sagt, dann ist es ernst. Es hat in Adler bestätigt, was er längst ahnt. Sie gehen einem Abgrund entgegen. Aber Adler will von etwas anderem schreiben, von etwas Schönem, das ihm bleiben soll. In einer Nacht auf vorgeschobenem Posten, Otto, Fritz und er, haben sie über das Leben und den Tod gesprochen. Fritz hat gefragt, ob es ein Danach gibt. Keiner von ihnen wusste es. Aber dann gegen Morgen sang ein Russe drüben am anderen Ufer, eine schwermütige, schöne Weise. Sie haben gelauscht, alle drei, ergriffen. Fritz hatte Tränen in den Augen und fragte, warum sie den töten müssen, der so schön singt. Adler wusste keine Antwort. Er weiß sie bis heute nicht. Für einen Augenblick gab es keine Feindschaft, nur Menschen, die sich nach demselben sehnen. Heimat, Frieden, Liebe, das ist die Wahrheit. Alles andere ist Wahnsinn. Adler nimmt diesen Augenblick mit in das Dunkle, das kommt. Stalingrad ist nah. Gott behüte sie.

