Der alliierte Oberbefehlshaber Dwight D. Eisenhower wird von den besiegten Generälen der Wehrmacht mit einer seltsamen, fast ehrfürchtigen Zurückhaltung bedacht, die in scharfem Kontrast zu ihrer beißenden Kritik an Bernard Montgomery und George Patton steht. Während Montgomery als übervorsichtig, eitel und langsam galt und Patton als ungestümer, kaum zu zügelnder Draufgänger beschrieben wurde, äußerten sich die deutschen Militärs über Eisenhower stets mit einer vorsichtigen, fast diplomatischen Achtung. Dieses Phänomen wirft ein grelles Licht auf die Natur des Zweiten Weltkriegs und die Art der Führung, die ihn entschied.
Eisenhower war kein klassischer Feldherr im Sinne eines Erich von Manstein oder Erwin Rommel. Er hatte nie eine Division im Gefecht geführt, nie persönlich eine Schlacht im offenen Feld geschlagen und nie jenen taktischen Instinkt unter feindlichem Beschuss bewiesen, den die Wehrmacht so hoch schätzte. Dennoch befehligte er die größte militärische Koalition der Geschichte, ein Bündnis aus USA, Großbritannien, Kanada und weiteren Nationen, das mit Millionen von Soldaten gegen das nationalsozialistische Deutschland antrat. Dieser scheinbare Widerspruch ist der Schlüssel zum Verständnis seines Erfolgs.
Seine Laufbahn vor dem Krieg war unscheinbar. Im Ersten Weltkrieg kam er nicht an die Front, sondern leitete ein Ausbildungslager für Panzertruppen in den USA. Diese Enttäuschung zwang ihn, seine Stärken in Organisation, Ausbildung und Verwaltung zu entwickeln. In den Zwischenkriegsjahren diente er unter General Douglas MacArthur und lernte, mit schwierigen, egozentrischen Vorgesetzten umzugehen, ohne die Beherrschung zu verlieren. Diese Schule der Geduld sollte sich als unbezahlbar erweisen.
Sein Aufstieg erfolgte nicht über das Schlachtfeld, sondern über den Schreibtisch, die Lagekarte und die Konferenz. Generalstabschef George Marshall und Präsident Franklin Roosevelt wählten ihn, weil sie erkannten, dass der kommende Krieg in Europa nicht von einem brillanten Schlachtenlenker gewonnen werden würde, sondern von einem Mann, der eine ganze Maschinerie aus Nationen, Waffengattungen und Persönlichkeiten zusammenhalten konnte. Eisenhower besaß die seltene Fähigkeit, mit den Briten zusammenzuarbeiten, ohne in Rivalitäten zu verfallen.
Seine entscheidende Lehrzeit im Mittelmeerraum prägte sein Urteilsvermögen. Die Operation Torch, die alliierte Landung in Nordafrika, war ein politisch heikles Unternehmen, das delikate Verhandlungen mit Vichy-Frankreich erforderte. Der zähe Feldzug in Tunesien, wo die Wehrmacht den unerprobten Amerikanern am Kasserinpass eine schmerzhafte Niederlage beibrachte, lehrte Eisenhower harte Lektionen über Führung und die Notwendigkeit, unfähige Kommandeure rasch abzulösen.
Aus Sicht der Wehrmacht zeigte Nordafrika, dass die amerikanische Armee anfangs unerfahren war, aber aus ihren Fehlern mit erschreckender Geschwindigkeit lernte und über unerschöpfliche Reserven verfügte. Eisenhower trat die Verantwortung für die Invasion in der Normandie nicht als Neuling an, sondern als ein Oberbefehlshaber, der die Tücken der Koalitionsführung bereits am eigenen Leib erfahren hatte, auch wenn ihm die persönliche Erfahrung der Schlachtenlenkung im Felde weiterhin fehlte.
Die Operation Overlord im Juni 1944 war von einem Umfang, der für die Wehrmacht kaum fassbar war. An einem einzigen Tag setzten die Alliierten zehntausende Soldaten an Land, unterstützt von einer Armada aus tausenden Schiffen und einer erdrückenden Luftflotte. Die Täuschungsoperation Fortitude gelang es, die Verteidiger über den wahren Ort der Invasion im Unklaren zu lassen, was wertvolle Reserven der Wehrmacht am falschen Ort band.
Die Generäle der Wehrmacht äußerten unmittelbar nach der Landung eine Mischung aus Überraschung und Verärgerung. Überraschung über die Präzision und das Ausmaß des Unternehmens, Verärgerung über Hitler und das Oberkommando, die die Kräfte verzettelt und die Luftwaffe hatten verkümmern lassen. Diese Kritik richtete sich weniger gegen Eisenhower als gegen die eigene Führung.
Es folgte die zähe Schlacht um die Normandie, die erst mit der Operation Cobra und dem Durchbruch bei Avranches im Juli 1944 entschieden wurde. In der Folge schloss sich der Kessel von Falaise, aus dem jedoch ein nicht geringer Teil der eingeschlossenen Wehrmachtverbände entkommen konnte. Die Gründe lagen in der Logistik, in der Vorsicht einzelner Kommandeure und in den Reibungen innerhalb der Koalition.
An diesem Punkt entzündete sich die wohlbekannteste strategische Auseinandersetzung des Westfeldzugs. Eisenhower verfocht die Strategie der breiten Front, die entlang der gesamten Linie Druck auf den Feind ausüben sollte. Montgomery hingegen forderte einen konzentrierten, schmalen Stoß im Norden, der mit gebündelter Kraft über den Rhein und in das Ruhrgebiet vorstoßen sollte.
Die Generäle der Wehrmacht vertraten nach dem Krieg die Auffassung, ein schmaler und kraftvoller Stoß hätte womöglich schneller den Rhein und das Ruhrgebiet erreicht und den Krieg früher beenden können. Die breite Front, so ihr Argument, habe der Wehrmacht den Atem gelassen, den sie brauchte, um sich neu zu ordnen und sogar noch zu einer letzten großen Offensive auszuholen.
Diese Einschätzung ist bis heute umstritten, denn Eisenhowers Verteidiger weisen darauf hin, dass ein einzelner schmaler Vorstoß tief in feindliches Gebiet hinein anfällig für Gegenangriffe in die Flanken gewesen wäre und dass die Versorgungslage einen solchen Stoß ohnehin kaum getragen hätte. Dennoch attestierten die Wehrmachtgeneräle Eisenhower eine gewisse übervorsichtige Gründlichkeit.
Die Operation Market Garden im September 1944, Montgomerys kühner Versuch, mit einem schmalen Luftlande- und Panzervorstoß eine Brücke über den Rhein bei Arnheim zu erobern, scheiterte unter schweren Verlusten. Aus Sicht der Wehrmacht bestätigte dieses Scheitern auf paradoxe Weise beide Seiten der strategischen Debatte. Es zeigte die Gefahr eines einzelnen schmalen Vorstoßes, rechtfertigte aber auch die Überzeugung, dass die Alliierten mit klarerem Schwerpunkt mehr hätten erreichen können.
Die letzte große Offensive der Wehrmacht, die Ardennenoffensive im Dezember 1944, traf die Amerikaner unvorbereitet. Eisenhower reagierte mit einer Entscheidung, die viel über sein Verständnis von Koalitionsführung verrät. Er unterstellte den gesamten nördlichen Frontabschnitt vorübergehend dem Befehl Montgomerys, obwohl es sich überwiegend um amerikanische Truppen handelte. Diese Entscheidung war militärisch sinnvoll, aber politisch heikel.
Aus Sicht der Wehrmachtgeneräle war die Ardennenoffensive die letzte verzweifelte Wette Hitlers, ein Spiel mit Einsätzen, die das Reich längst nicht mehr besaß. Selbst die Generäle, die den Plan ausführten, hielten ihn für aussichtslos. Die Offensive verbrauchte genau jene Panzer und Männer, die für die Verteidigung des Reiches an Rhein und Oder unverzichtbar gewesen wären.
Am Ende funktionierte der alliierte Feldzug nicht wegen taktischer Meisterschaft, sondern wegen des erdrückenden Übergewichts der Alliierten. Dieses Übergewicht zeigte sich in der Luft, in der Artillerie, in der schier unerschöpflichen Menge an Munition und in der industriellen Macht der Vereinigten Staaten. Hinzu kam der unablässige Druck der Roten Armee im Osten, der die Wehrmacht zwang, ihre Reserven zwischen zwei Fronten aufzureiben.
Eisenhowers Leistung lag nicht darin, einzelne Schlachten mit genialen Manövern zu gewinnen, sondern darin, diese gewaltige Maschinerie so zu organisieren und zusammenzuhalten, dass ihr materielles Übergewicht voll zur Geltung kam. Was an seiner Führung gelang, gelang vor allem durch Organisation und Ressourcen. Was schiefging oder sich verzögerte, lag oft an übergroßer Vorsicht oder an den unvermeidlichen Reibungen einer Koalition.

Wie aber lassen sich die Urteile in den Memoiren und Interviews der Nachkriegszeit erklären? Eine zentrale Quelle ist das Werk des britischen Militärhistorikers Basil Liddell Hart, der nach dem Krieg zahlreiche Generäle der Wehrmacht befragte. In diesen Gesprächen kristallisierte sich ein bemerkenswertes Muster heraus. Montgomery und Patton wurden als die fähigsten Feldkommandeure der Westalliierten wahrgenommen, mit denen man unmittelbar auf dem Schlachtfeld zu rechnen hatte.
Eisenhower hingegen erschien in diesen Aussagen seltener als Schlachtenlenker und häufiger als Organisator und Koordinator, als der Mann, der das Ganze zusammenhielt, ohne selbst die Klinge zu führen. Genau darin liegt der Schlüssel zum milderen Ton. Es gab keine konkrete Schlacht, in der ein General der Wehrmacht sagen konnte, hier habe Eisenhower mich persönlich überlistet. Sein Sieg wurde als das Ergebnis eines ganzen Systems wahrgenommen.
Diese Wahrnehmung lässt sich an einzelnen Stimmen festmachen. Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt, einer der ranghöchsten Befehlshaber an der Westfront, ordnete die Niederlage vor allem dem Materialübergewicht und der Luftherrschaft zu, nicht etwa der überlegenen Strategie eines einzelnen Gegners. General Hasso von Manteuffel, der Panzergeneral, der in den Ardennen einen der Stoßkeile führte, sprach mit fachlichem Respekt über die Beweglichkeit amerikanischer Verbände.
Bemerkenswert ist der Vergleich mit der Art, wie dieselben Befehlshaber über ihre Gegner im Osten sprachen. Dort hatten sie es mit einem Feind zu tun, der unter ungeheuren Verlusten lernte und sich anpasste. Die Westfront hingegen erlebten sie als einen Krieg der Maschinen, der Bomberströme und der unaufhörlichen Nachschubkolonnen, in dem der Raum für persönliche Feldherrnkunst eng geworden war.
Eisenhower stand am Ende dieses Stroms aus Material und Organisation. Gerade deshalb fiel es den Generälen der Wehrmacht leicht, ihm eine kühle, fast abstrakte Achtung zu zollen, ohne sich dabei einzugestehen, dass es nicht allein die Arithmetik der Ressourcen war, die sie besiegte, sondern auch die politische und moralische Verfasstheit der Sache, für die sie gekämpft hatten.
An dieser Stelle ist eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Beweggründen jener Offiziere unverzichtbar. Viele dieser Generäle verfolgten mit ihren Memoiren ein bestimmtes Ziel. Sie wollten sich selbst als professionelle, unpolitische Soldaten darstellen, die nicht von einem verbrecherischen Regime, sondern allein von überlegenen Ressourcen besiegt worden waren. Diese Erzählung, später als der Mythos der sauberen Wehrmacht bekannt, war eine Verzerrung der Wirklichkeit.
Sie ignorierte oder verharmloste die tiefe Verstrickung der Wehrmacht in den Vernichtungskrieg im Osten, in die Erschießungen, die Aushungerung von Kriegsgefangenen und die Mitwirkung an den Verbrechen des Holocaust. Indem die Generäle ihre Niederlage ausschließlich der materiellen Übermacht der Alliierten zuschrieben, lenkten sie zugleich von der politischen und moralischen Natur des Krieges ab, den sie geführt hatten.
Der respektvolle Ton gegenüber Eisenhower passte gut in diese Strategie. Wenn man eingestand, von einer überwältigenden, gut organisierten Koalition besiegt worden zu sein, dann erschien die eigene Niederlage als ehrenhaft und unvermeidlich, als das Ergebnis nüchterner Arithmetik und nicht als die gerechte Konsequenz eines verbrecherischen Angriffskrieges. Der Lobpreis des alliierten Organisators diente damit indirekt der eigenen Entlastung.
Auch Eisenhower selbst trug ungewollt etwas zu diesem Ton bei. Nach dem Krieg unterschied er in seinen öffentlichen Äußerungen zwischen den gewöhnlichen Soldaten der Wehrmacht und der nationalsozialistischen Führung, die er in aller Schärfe verurteilte. Diese Unterscheidung, so verständlich sie als Geste der Versöhnung war, lieferte den ehemaligen Generälen einen willkommenen Anknüpfungspunkt für ihre eigene Selbststilisierung.
Wenn man all diese Fäden zusammenführt, ergibt sich ein klares Bild dessen, was der Respekt der Generäle der Wehrmacht gegenüber Eisenhower bedeutete und was nicht. Die Achtung, von der die Memoiren und Interviews sprechen, war weniger eine persönliche Bewunderung für einen genialen Feldherrn, als vielmehr das professionelle Eingeständnis der Tatsache, dass man von einer organisierten Koalition der Demokratien besiegt worden war.
Es war die Anerkennung einer überlegenen Maschinerie, nicht eines überlegenen Operationskünstlers. Eisenhower verkörperte für sie die unpersönliche, übermächtige Kraft, gegen die ihre taktische Brillanz am Ende nichts ausrichten konnte. Und gerade weil er kein klassischer Schlachtenlenker war, ließ sich diese Niederlage leichter als unvermeidlich darstellen. Damit war der respektvolle Ton zugleich aufrichtig und bequem.
Am Ende müssen alle Reden vom Respekt der Generäle der Wehrmacht gegenüber Eisenhower mit der vollen Berücksichtigung des historischen Zusammenhangs aufgenommen werden. Diese Offiziere dienten einem Regime, das den zerstörerischsten Krieg der Menschheitsgeschichte entfesselte, eine Politik des Völkermords betrieb und im Nürnberger Prozess als verbrecherisch verurteilt wurde.
Der Sieg, den Eisenhower anführte, wurde vor allem durch das gewaltige Übergewicht der Alliierten an industriellen Ressourcen, in der Luft, in der Logistik und durch die politische Fähigkeit der Demokratien möglich, trotz aller inneren Reibungen gemeinsam zu handeln. Die Strategie der breiten Front, für die Eisenhower von Verbündeten wie von Gegnern kritisiert wurde, erlaubte es, die Reserven der Wehrmacht planmäßig aufzureiben.
Der Respekt in den Nachkriegsmemoiren und Interviews diente oft dazu, nach der Niederlage die berufliche Würde zu wahren und sich von der nationalsozialistischen Führung abzugrenzen. Er macht Eisenhower nicht zu einem taktischen Genie auf Augenhöhe mit den besten operativen Köpfen der Wehrmacht, und er hebt nicht die Tatsache auf, dass die Wehrmacht einen Angriffskrieg auf der Seite eines verbrecherischen Regimes führte.
Das Verständnis dieses Unterschieds zwischen einem Krieg um Überleben und Freiheit gegen die totalitäre Aggression und einem Krieg um Herrschaft erlaubt es, die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs ohne Romantisierung und ohne Vereinfachung zu sehen. Eisenhower siegte nicht, weil er der beste Feldherr war, sondern weil er an der Spitze jener Kräfte stand, die am Ende über das entscheidende Übergewicht verfügten. Das ist die eigentliche Lehre, die man aus seiner Führung ziehen sollte, und sie verdient es, ohne Heldenverehrung und ohne Beschönigung weitergegeben zu werden.


