Der verborgene Blick der Nofretete: Was ein CT-Scan nach 3.300 Jahren enthüllte

Kaum ein Kunstwerk der Antike ist berühmter als die Büste der Nofretete. Seit ihrer Entdeckung im Jahr 1912 gilt sie als Inbegriff zeitloser Schönheit: makellose Gesichtszüge, elegante Symmetrie und eine fast übernatürliche Ruhe. Doch eine wissenschaftliche Untersuchung hat gezeigt, dass sich hinter diesem weltberühmten Gesicht möglicherweise eine überraschende Geschichte verbirgt.
Im Jahr 2009 wurde die Büste mit moderner Computertomographie untersucht. Die Forscher erwarteten vor allem Einblicke in die Konstruktion des Kunstwerks. Stattdessen entdeckten sie unter der bemalten Stuckschicht ein zweites Gesicht – sorgfältig aus Kalkstein herausgearbeitet und deutlich detaillierter, als viele erwartet hatten.

Besonders faszinierend waren die Unterschiede zwischen beiden Darstellungen. Das verborgene Steingesicht zeigt feine Falten um Mund und Wangen sowie kleine Unregelmäßigkeiten an der Nase. Die sichtbare Oberfläche wirkt dagegen glatter und idealisierter. Für manche Forscher deutet dies darauf hin, dass der Künstler zunächst ein realistisches Porträt schuf und es anschließend durch eine dünne Stuckschicht verfeinerte.
Doch genau hier beginnt die Debatte. Bedeutet dies, dass die berühmte Büste ein „geschöntes“ Bild der Königin zeigt? Oder war die Überarbeitung lediglich Teil des normalen künstlerischen Prozesses im alten Ägypten? Die meisten Experten bevorzugen die zweite Erklärung und sehen keinen Hinweis auf eine Täuschung.
Dennoch bleibt die Entdeckung bemerkenswert. Nach über einem Jahrhundert intensiver Forschung zeigte ausgerechnet ein medizinischer Scanner, dass eines der bekanntesten Gesichter der Welt noch immer Geheimnisse verbarg. Vielleicht liegt die größte Faszination der Nofretete nicht in ihrer Schönheit – sondern darin, dass wir sie trotz tausender Fotografien und Studien bis heute nicht vollständig verstehen.


