**Alliierter Agent und Verräter in Prag gehängt: Keine Gnade für Viliam Gerik**
15. März 1939. Deutsche Truppen marschieren in Prag ein. Die Tschechoslowakei zerbricht unter dem Druck Nazi-Deutschlands. Während viele resignieren, formiert sich im Exil ein tschechoslowakischer Widerstand. Junge Männer wie Viliam Gerik schließen sich der Armee im Ausland an, um für die Befreiung ihrer Heimat zu kämpfen. Doch nicht alle halten dem Druck stand. Gerik, ein talentierter Funker, wird zum Verräter. Seine Geschichte ist die eines Mannes, der unter Isolation und Angst zerbricht – und schließlich am Galgen endet.
Viliam Gerik wird am 28. Dezember 1920 in Slovenský Meder (heute Palárikovo in der Slowakei) geboren. In einer einfachen Handwerkerfamilie wächst er mit vier Geschwistern auf. Nach der Schule arbeitet er in Bratislava in einem Hotel und träumt von einem Leben in Westeuropa, vor allem in Frankreich. Die politische Lage verschlechtert sich dramatisch: Das Münchner Abkommen 1938, das Wiener Abkommen und schließlich die Zerschlagung der Tschechoslowakei 1939 durch Hitler und slowakische Separatisten unter Jozef Tiso. Gerik wird Bürger des neuen slowakischen Satellitenstaates.

Am 28. Oktober 1939 flieht er über Ungarn, Jugoslawien und Griechenland in den Nahen Osten und erreicht schließlich Frankreich. Im Dezember 1939 tritt der 18-Jährige in Agde der tschechoslowakischen Exilarmee bei. Seine Begabung für Funktechnik fällt auf. Nach dem deutschen Angriff auf Frankreich 1940 flieht er mit den Resten der Truppen nach Großbritannien. Dort wird er für Spezialoperationen ausgebildet: Sabotage, Fallschirmspringen, Chiffrierung. Ausbilder loben ihn als aufmerksam, intelligent und diszipliniert. Im März 1942 wird er der Operation „Zink“ zugeteilt. Ziel ist die Unterstützung des Widerstands im Protektorat Böhmen und Mähren mit Geld und Funkverbindung.
Am 28. März 1942 springen die Agenten ab – doch der Bomber irrt sich. Statt in Mähren landen sie in der Slowakei bei Gbely. Die Gruppe gerät in Schwierigkeiten. Ihr Anführer Oldřich Pechal verliert bei einem Gefecht seine Papiere. Gerik und Arnošt Mikš erreichen Buchlovice, doch ihr Funkgerät funktioniert nicht. Kontakte in Prag erweisen sich als nutzlos. Gerik, allein in einer fremden Stadt, ohne Lebensmittelkarten, hungernd und ohne Verbindung zum Widerstand, verzweifelt. Am 4. April 1942 geht er zur Polizeidirektion in Prag, gibt seine Waffe und falschen Papiere ab und gesteht, ein Agent aus London zu sein. Die Gestapo übernimmt ihn rasch.

Unter Druck und mit dem Versprechen, sein Leben zu retten, bricht Gerik zusammen. Er verrät Details der Operation „Zink“, seine Ausbildung und weitere Agenten. Er hilft bei der Identifizierung von Leichen, darunter die seines Kameraden Mikš und später gefallener Widerstandskämpfer. Die Gestapo zahlt ihm fünf Millionen Kronen Belohnung – Geld, das er kaum anrührt. Im Gegensatz zu anderen Verrätern wie Karel Čurda bleibt er zurückhaltend. Später versucht er sogar, wieder Kontakt zum Widerstand aufzunehmen, wird jedoch von der Gestapo enttarnt und inhaftiert. Er durchläuft die Gefängnisse Pankrác, die Kleine Festung Theresienstadt und das KZ Dachau. Dort organisiert er eine illegale Funkstation für Mithäftlinge und leistet Widerstand.
Nach der Befreiung durch US-Truppen am 29. April 1945 kehrt Gerik nach Prag zurück. Er will sich erklären und seinen Namen reinwaschen. Stattdessen wird er verhaftet. Eine Flucht gelingt kurzzeitig, doch Soldaten der tschechoslowakischen Brigade, die ihn aus England kennen, erkennen ihn. Am 28. und 29. April 1947 steht er gemeinsam mit Karel Čurda vor Gericht. Gerik verteidigt sich mit Isolation, Hunger und seiner späteren Hilfe im Lager. Das Gericht sieht darin keinen mildernden Umstand. Es verurteilt ihn zum Tod durch den Strang. Gerik bittet Präsident Edvard Beneš nicht um Gnade. Am 29. April 1947 wird der 26-Jährige in Prag gehängt.
Die Tragödie Viliam Geriks unterscheidet sich von reinen Kollaborateuren. Er wollte zunächst für sein Land kämpfen, zerbrach aber unter den extremen Bedingungen des Untergrunds. Die Gestapo nutzte seine Schwäche skrupellos. Historiker betonen bis heute den Unterschied zu skrupelloseren Verrätern. Seine Geschichte zeigt die Härte des Krieges: Helden und Verräter liegen manchmal nah beieinander. In Prag, wo er als Agent ankam und als Verräter endete, erinnert sie daran, wie zerbrechlich menschliche Widerstandskraft unter Folter und Einsamkeit sein kann. Keine Gnade – so lautete das Urteil einer Nation, die schwer unter Besatzung und Verrat gelitten hatte.
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